Politischer Zeugnistag 2025/26

Noten für die Kärntner Landespolitik

In Kärntens Landespolitik gab es in den vergangenen Monaten viele Veränderungen. So haben sich die Regierungsmitglieder von SPÖ und ÖVP sowie die Oppositionspolitiker im „Schuljahr 2025/2026“ geschlagen.

Daniel Fellner | SPÖ

Häuptling flinke Zunge

Note: 3

Peter Kaiser galt als politischer Philosoph, Daniel Fellner zeigte in den ersten 100 Tagen als Landeshauptmann, dass er eher politischer Stratege und Populist ist. Rasch bildete er das SPÖ-Regierungsteam und stieß gemeinsam mit Vize Martin Gruber (ÖVP) längst überfällige Reformen an. Wenn nötig poltert er gegen die eigenen Ministerien in Wien, etwa in Sachen Justiz oder Gesundheit – und bandelt dabei mit Burgenlands Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil oder dem steirischen SPÖ-Chef Max Lercher. Der Sprit-Bonus erinnert an ähnliche Aktionen von Jörg Haider. Konkrete Visionen für das Land ist Fellner bislang schuldig geblieben, in Wirtschaft und Industrie sieht man sein bisheriges Wirken und seine Auftritte skeptisch.

Martin Gruber | ÖVP

Selbsterklärter Reformmotor

Note: 3

Der LH-Vize macht hartnäckig Klientelpolitik, wie man sie von der ÖVP kennt – aber kommuniziert sie geschickt in die Breite. Beispiel: die Wolfsjagd. Der Flughafen, sein 2023er-Wahlkampf-Hit, kommt einfach nicht in die Höhe. Gerichtsentscheidungen haben die Stimmung zusätzlich gedämpft, weitere Landesbeteiligungen sind eine Baustelle. Kritik hört er nicht gern. Er versucht sich als Reformer zu positionieren, um 2028 nicht zwischen SPÖ und FPÖ zerrieben zu werden. Fellner wird irgendwann den Paarlauf beenden – offen ist, wohin Gruber dann schwenkt.

Gaby Schaunig | SPÖ

Die routinierte Sparmeisterin

Note: 3

Die seriöse, penible Finanzreferentin und LH-Stellvertreterin hat die meiste politische Erfahrung im Regierungsteam. Sie verkauft Hunderte Millionen Euro jährliche Neuverschuldung als verantwortungsvollen Budgetpfad. Gilt intern als Sparmeisterin, geht manche Bereiche aus ideologischen Gründen aber nicht an. Im sozialen Wohnbau versucht sie Akzente zu setzen. Strukturell gibt es grobe Probleme in den Landesfinanzen – von Ausgaben über Landesumlagen bis zu Ertragsanteilen. Mit dem Sondererlös aus der Heta-Abwicklung wird der Schuldenstand jetzt um 450 Millionen Euro gesenkt.

Sebastian Schuschnig | ÖVP

Ausdauernder Kammerschreck

Note: 3

Beim Öffentlichen Verkehr geht etwas weiter, nicht nur dank der Koralmbahn. Bei der größten Tourismusreform aller Zeiten bewies Sebastian Schuschnig Ausdauer und Sachkunde, Unzufriedenheit gibt es trotzdem – den einen dauerte der Prozess zu lange, die anderen müssen zu viel zahlen. In der Wirtschaftskammer hat der Landesrat immer noch wenige Fans. In Sachen 380-kV-Leitung hat er als Energiereferent ohnehin nichts zu gewinnen. In Teilen der ÖVP galt er als fixer Ablösekandidat, 20 Monate vor der Landtagswahl scheint dieses Thema aber abgehakt.

Beate Prettner | SPÖ

Kandidatin für eine Ablöse

Note: 4

Sie galt als Ablösekandidatin, die langen Verhandlungen über den Spitäler-Strukturplan und Änderungen an der Kabeg-Spitze sorgten aber dafür, dass Beate Prettner ihren Platz in der Landesregierung behielt. Nicht alle Probleme in ihrem Ressort sind hausgemacht, ihre Lösungsansätze aber selten kreativ. Immer noch fehlt ihr etwa eine Idee, wie man aus der teuren geriatrischen Langzeitpflege eine billigere, aber in der Versorgung angemessene Vorstufe zum klassischen Pflegeheim findet. Vertreter aus der Pflege beschreiben sie als beratungsresistent.

M. Lagger-Pöllinger | SPÖ

Erfrischender
Neuzugang

Note: 2

„Zu kurz eingesetzt“, würde es in einer Länderspiel-Bewertung heißen. Marika Lagger-Pöllinger, die Nachrückerin auf der Regierungsbank, zeigt gute, konstruktive Ansätze und profitiert vor allem im Gemeindereferat von ihrer langjährigen Erfahrung als Bürgermeisterin. Das eigene landespolitische Profil wird sich erst entwickeln müssen, sie agiert aber jetzt schon sachorientierter und weniger ideologisch als es ihre Oberkärntner Parteikollegin Sara Schaar tat. Im Naturschutz warten heikle Themen, in der Frauenpolitik ist mehr Akzentuierung möglich.

Peter Reichmann | SPÖ

Konsequenter
Quereinsteiger

Note: 2

Darauf, dass die Themen Kinderschutz und Kinderbetreuung zu den politisch brisantesten Materien des Landes werden würden, hätte vor fünf Jahren niemand gewettet. Peter Reichmann schafft es bislang, sich mit Kommunikationstalent und Fachkunde durch diese Welten zu manövrieren und demonstrierte im SOS-Kinderdorf-Skandal Konsequenz. Im Bildungsbereich konnte er noch keine Akzente setzen, die Kritik am Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz ebbt nicht ab. Die grinsende Social-Media-Selbstvermarktung wirkt etwas penetrant.

Erwin Angerer | FPÖ

Der
Selbstläufer

Note: 3

Kandidiert Kickl doch? Diese Frage ermüdet Erwin Angerer mittlerweile. Dass der Rest der Partei auf ihn als Landeshauptmann hinarbeitet, nimmt man nur bedingt wahr. Als Bürgermeister für seinen Pragmatismus geschätzt, gibt Angerer jetzt den Hardliner. Inhaltlich setzt man auf Brachialkritik, das politische Klima macht die FPÖ zum Selbstläufer.

G. Köfer | Team Kärnten

Routinier mit Instinkt

Note: 3

Der Spittaler Bürgermeister Gerhard Köfer hat sich öffentlich mit ÖGB-Chef Günther Willegger gestritten und damit womöglich dessen Aufstieg an die Arbeiterkammer-Spitze verhindert. Sonst gibt es wie gewohnt guten Instinkt, Minimalaufwand und gemäßigte Oppositionspolitik, die nicht weh tut, aber wenig bewirkt, außer der FPÖ einiges an Stimmen abzunehmen.

Olga Voglauer | GRÜNE

Allein auf weiter Flur

Note: 3

Die Grüne-Landeschefin und Nationalratsabgeordnete tut sich schwer, mit ihren Themen Gehör zu finden – was oft auch an Voglauers Schwerpunktsetzung liegt. Die schwache Aufstellung in Klagenfurt und Villach deutet nicht darauf hin, dass die Gemeinderatswahl 2027 einen Aufwärtstrend für die Grünen einläuten kann.

Janos Juvan | Neos

Auf zu vielen Hochzeiten

Note: 3

Auf zwei Hochzeiten zu tanzen, ist schwer. Auf drei unmöglich. Als Gemeinderat in Klagenfurt macht Janos Juvan seit Jahren glaubwürdige Oppositionspolitik, als Nationalratsabgeordneter und Landeschef der Neos aber ist er oft zu verkopft und weder in der einen noch der anderen Rolle spürbar. In der Bundesregierung bleiben die Neos Reformen schuldig.

Texte: Wolfgang Fercher und Thomas Cik

Fotos: Land Kärnten/Bauer (7), KLZ/Weichselbraun (2), KLZ/Traussnig (2)

Titelbild: Unsplash/Aleyna Çatak, eigene Bearbeitung mit KI