Herbst, aber richtig
Herbst, aber richtig
Magazin. Die Steiermark macht es einem im Herbst schwer, daheimzubleiben. Zu bunt die Wälder, zu schön die Wege, zu warm das Wasser der Thermen und zu gut gefüllt die Teller. Wir haben deshalb gesammelt, was Gäste und Einheimische jetzt erleben können. Ein Magazin für alle, die den Herbst lieber auskosten als aussitzen.
Ausseerland Salzkammergut
Genuss: Das „Refugium am See“ in Altaussee, „Das gute Leben“ in Bad Aussee, der „Fliegende Honigtopf“ zur kulinarischen Horizonterweiterung in Tauplitz sowie Kaiserschmarrn in der Steinbrecherhütte im Öderntal
Action: Mit Mountaincarts auf der Loser-Bergstraße neun Kilometer ins Tal brausen
Mit Kindern: „Abenteuer Zloam“ in Grundlsee mit Schatzsucherwald, Kreativwerkstatt, 4D-Bogenschießen und Ponycamps
Erholung: Durchatmen bei Salzlaugen- und Reisigduft in den Gradieranlagen in Altaussee und Bad Mitterndorf
Besonderes: Plättenfrühstück am Altausseer See und am
Grundlsee
Erzberg-Leoben
Genuss: Ein Besuch der Gösser Brauerei steht in Leoben ganz oben auf der To-do-Liste.
Action: Der Kletterpark Alpfox am Präbichl zählt zu den größten der Steiermark. Auch eine Mountaincart-Fahrt lohnt sich.
Mit Kindern: Von Alpaka bis Zwergziege: tierische Abenteuer auf dem Wilden Berg in Mautern und im Tierpark Tragöß erleben.
Erholung: Das Asia-Spa Leoben wurde nach Prinzipien des Feng-Shui gestaltet.
Besonderes: Eine Genussradtour ins Liesingtal ab St. Michael mit kulinarischen Zwischenstopps.
Gesäuse
Genuss: Im Admonter Gasthaus „Der Kamper“ treffen steirische Köstlichkeiten auf modern interpretierte Küche.
Action: Abenteuerlustige kommen beim Canyoning oder Rafting auf Salza und Enns voll auf ihre Kosten.
Mit Kindern: Spaß für Klein und Groß beim Adventure Golf in Sankt Gallen.
Erholung: Auf Holzschaukeln lässt es sich im Weidendom im Erlebniszentrum des Nationalparks Gesäuse entspannen.
Besonderes: Ein Besuch der Stiftsbibliothek im Benediktinerstift Admont mit ihren rund 70.000 historischen Büchern.
Erlebnisregion Graz #1
Genuss: Mittagsmenü mit Marktflair im Rossian am Kaiser-Josef-Platz. Kehlberghof: Gastgarten und Aussicht.
Action: Die Schlossbergrutsche mit einem Affenzahn hinuntersausen.
Mit Kindern: Gemeinsame Abenteuer in luftiger Höhe im Kletterwald Graz am Hilmteich. Gemütlicher Besuch im Kindermuseum „FRida & freD“.
Erholung: Die Lurgrotte von Peggau oder Semriach aus erforschen.
Besonderes: Bei einer Führung in die Geschichte des Stifts Rein eintauchen.
Erlebnisregion Graz #2
Genuss: Die „Allerleierei“ in Laßnitzhöhe ist Genussladen und Café – mmmh.
Action: Ein Match in der Padel-Tennis-Halle in Kainbach bei Graz.
Mit Kindern: Mit der Seilbahn auf den Schöckl und rein in den Hexenexpress – der Gipfel der Gaude.
Erholung: Hinter dem Naturbad Eggersdorf kann man in einer Gradieranlage durchatmen – dank salzhaltiger Luft.
Besonderes: Die Grazer Bauernmärkte werden vor allem von Produzenten und Produzentinnen aus dem Umland bestückt. Danke!
Erlebnisregion Graz #3
Genuss: Feinste Kulinarik gibt’s beim Trautentalwirt in Geistthal-Södingberg.
Action: Der Pibersteiner See wurde wieder zum Leben erweckt und ist ein Muss.
Mit Kindern: Die „Therme NOVA“ in Köflach zum Entspannen, der Motorikpark zum Auspowern.
Erholung: Die Wanderwege in der Grenzregion zu Kärnten sind ein Traum.
Besonderes: Das Lipizzanergestüt Piber mit seinen wunderschönen Pferden ist immer einen Ausflug wert.
Hochsteiermark
Genuss: Mein persönliches Geschmacksglück finde ich im „Da Maurizio“ in Bruck mit Spezialitäten aus dem Süden.
Action: Garantiert auf dem neuen Bogenparcours auf der Mariazeller Bürgeralpe.
Mit Kindern: Die Zeitreise ins Mittelalter auf der Burg Oberkapfenberg vergessen die Jüngsten so schnell nicht.
Erholung: Bei der Teichanlage
Urani im Naturpark Mürzer
Oberland kann man die Seele
baumeln lassen.
Besonderes: Mehr als 100 Gipfel im Hochschwabgebiet – jeder besonders und besteigenswert.
Region Murau
Genuss: „Wir kochen mit Herz und Verstand“ lautet das Motto im Pöllauerhof in Neumarkt.
Action: Mit dem Nocky-Flitzer rodelt man auf der Turracher Höhe rasant bergab. Panoramablick inklusive.
Mit Kindern: Exotischen Tieren begegnet man im Tierpark und Erlebnisbauernhof Scheifling.
Erholung: Energie tanken am Etrach- oder Schattensee in der Steirischen Krakau.
Besonderes: Die Bezirkshauptstadt mit ihren historischen Bauwerken, dem Schloss Murau, der Brauerei und vielem mehr.
Erlebnisregion Murtal
Genuss: Bei der Traditionskonditorei Regner in Seckau gibt’s feinste Spezialitäten.
Action: Am Spielberger Red-Bull-Ring warten zahlreiche rasante Fahrerlebnisse.
Mit Kindern: Ein Abstecher zum Freizeitpark Märchenwald in St. Georgen ist Pflicht.
Erholung: Warmes Thermalwasser und ein herrlicher Blick auf die Seetaler Alpen – das gibt’s in der Therme Fohnsdorf.
Besonderes: Sternderl schauen im Sternenturm? Das bietet das Planetarium im Stadtturm Judenburg.
Oststeiermark
Genuss: Bei Hannes Gottmann und Günter Probst auf dem Götzenbichl reifen auf 1,5 Hektar oststeirische Trüffel.
Action: In der Mountainbike-Funbase auf der Sommeralm.
Mit Kindern: Auf die Edlseer Alm lockt ein großer Spielplatz mit alter Dampflok-Garnitur.
Erholung: Stille und Dunkelheit erleben – mit Christoph Berger im Arzberger Stollen.
Besonderes: Klingende Geschichte im steirischen Blasmusikmuseum in Ratten.
Schladming-Dachstein
Genuss: Die Waldhäuslalm im Untertal serviert frisch zubereiteten Fisch aus dem hauseigenen Teich.
Action: Mit der Zipline am Stoderzinken „fliegt“ man zu viert parallel von 1600 Meter Seehöhe auf 900 Meter hinunter – Nervenkitzel garantiert.
Mit Kindern: Rittisberg, Reiteralm, Planai und Hauser Kaibling bieten tolle Spielewelten. Da verfliegen die Stunden.
Erholung: Erfrischend und naturnah ist ein Spaziergang durch die Donnersbachklamm.
Besonderes: Der Hochwurzen-Höhenweg zu den Giglachseen zählt zu den schönsten Touren.
Südsteiermark
Genuss: Auf der Terrasse der Buschenschank Schneiderannerl an der Sausaler Weinstraße Schmankerl und Aussicht genießen.
Action: Abenteurer können ihr Geschick im Hochseilgarten von Schloss Retzhof beweisen.
Mit Kindern: Von Frauental bis St. Nikolai gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Alpakawanderungen.
Erholung: Entspannung mit Blick über die Weingärten im Loisium in Ehrenhausen.
Besonderes: In Wagna entführt das Grabungsfeld der antiken Römerstadt Flavia Solva in längst vergangene Zeiten.
Thermen- & Vulkanland
Genuss: An den vielen guten Adressen entlang der Vulkanland-Route 66 zwischen Ilz und Bad Radkersburg einkehren.
Action: Am Vulkanfelsen der Riegersburg kann man auf verschiedenen Steigen die Burg erklimmen oder 3D-Bogenschießen.
Erholung: Ziel des 13,8 Kilometer langen „Weinwegs der Sinne“ in St. Anna am Aigen ist die Aussichtswarte Frutten-Gießelsdorf. Tolle Ausblicke!
Besonderes: Biker, Nostalgieliebhaber und Familien kommen bei „Pechmanns alter Ölmühle“ in Deutsch Goritz auf ihre Kosten.
Biss zur Apfelernte
Stefanie Schuster und Alois Wilfling alias „Eva & Adam“ sind auf der Suche nach ganz besonderen Schätzen. Ihre Kostbarkeiten wachsen auf steirischen Bäumen, die immer seltener werden.
Wenn Alois Wilfling neugierig über Ihren Gartenzaun spechtelt, sollten Sie keine falschen Schlüsse ziehen. Den Biologen aus dem oststeirischen Miesenbach interessiert vor allem eines: Ihre Äpfel- und Birnbäume. „Es gab spannende Situationen, aber angezeigt wurde ich noch nie“, sagt der 54-Jährige. Die Erkundungstouren zahlen sich aber auch aus. „Die Hartberger Mostbirne war 1912 das letzte Mal genannt, 2012 habe ich sie wieder gefunden“, erklärt Wilfling mit Entdeckerstolz in der Stimme.
Seit sieben Jahren widmen sich Alois Wilfling und Stefanie Schuster dem Suchen und Finden alter Obstsorten. „Es gibt die Ware, es gibt die Interessenten, wir bringen beide zusammen.“
Mittlerweile liefern 520 Bauern und Gartler aus der ganzen Steiermark ihr Obst an das Start-up „Eva & Adam“. Dafür bekommen sie je nach Sorte 1 bis 4,50 Euro – das Zehnfache des Pressobstpreises. Bis zu 630 Sorten sammelten sich im Vorjahr im Lager, das im Herbst zum Epizentrum der Apfelvielfalt und Gerüche wird.
Es gibt die Ware, es gibt die Interessenten, wir bringen beide zusammen.
Die Lieferanten können es oftmals gar nicht glauben – plötzlich ist der alte Baum der Urli-Oma doch noch zu etwas gut. Dabei war man schon kurz davor, ihn auszureißen. Und plötzlich finden jene unförmigen Äpfel, die früher als Pressobst keinen Wert hatten, namhafte Abnehmer wie Heinz Reitbauer vom „Steirereck“ am Pogusch, der sie wie Trüffeln behandelt.
Kunden können die Äpfel in besonderen Selektionen bestellen. Man kann sie aber auch in Einheiten mit drei, sechs, zwölf und 24 Kilogramm kaufen. Die Kostbarkeiten kommen in einer Holzkiste vom Tischler. Liebe – vom Putz bis zum Stingl.
„Wir arbeiten gegen die Zeit. So viele Bäume fallen um oder werden ausgerissen“, erklärt Wilfling – kurz bevor er seine Aufmerksamkeit einem Charlamowsky schenkt. Für alle anderen ein Apfel. Für den Biologen eine „Schönheit“, die ihm ganze Geschichten erzählt. 93 Merkmale – Größe, Form, Farbe, Stielgrube, Kelch – gibt es, anhand derer sich Äpfel bestimmen lassen. Hat man Wilflings Begutachtung einmal beigewohnt, ist nichts mehr „pomo-logisch“. Denn eigentlich sind Äpfel fünfeckig, behaart und sie atmen. Oder sie sind einfach nur „fesch“ und ihre „Säure zieht bis in die Kiemen“.
Wir arbeiten gegen die Zeit. So viele Bäume fallen um oder werden ausgerissen.
Alte Sorten wirken aber auch dort, wo die Erinnerungen gespeichert sind. Gänsehautmoment, als Wilfling von einem Dankesbrief berichtet. „Eine Frau hat bei uns ,Lavanttaler Bananenäpfel‘ gekauft. Ihr Vater hat früher davon geschwärmt. Er ist seit fünf Jahren dement. Als er sie gegessen hat, hat er den ganzen Nachmittag Geschichten von früher erzählt.“
Text: Carmen Oster
Der Sonne entgegen
Wander- und Bergführer Herbert Raffalt verrät vier Wanderungen, bei denen die Sonne mit Wetterglück ein Spektakel inszeniert.
Weinstraße: Kulinarische Perlenschnur
Die Südsteirische Weinstraße zieht sich wie eine Lebensader durch eine der schönsten Landschaften der Steiermark. Wie an einer Perlenschnur reihen sich die Weingüter aneinander, die durch die 25,5 Kilometer lange Straße verbunden sind. Hier, so scheint es, hat man verstanden, was das gute Leben ausmacht. An den sonnenverwöhnten Hängen gedeihen die edelsten Trauben, zu den Weinen wird in den Buschenschanken eine Brettljause serviert. Authentisch wie die Menschen, die hier zu Hause sind.
Gut gestärkt, erkundet man die zauberhafte Landschaft am besten zu Fuß. Etwa auf dem Naturparkwanderweg „Über Stock und Wein“ bei Gamlitz, der je nach Wanderlust in drei Varianten mit 4,8, 18,9 oder 20,8 Kilometer Länge durch Weingärten, Streuobstwiesen, Wälder und Ortschaften führt.
Informationstafeln unterwegs erzählen von Natur, Weinbau und den Menschen der Region, während immer wieder weite Ausblicke die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Praktisch: Die Rundtour kann man bei jedem der 13 Familienbetriebe entlang der Strecke starten. Noch ein Tipp zum Schluss: Besonders stimmungsvoll zeigt sich die Südsteirische Weinstraße, wenn die Sonne den Horizont berührt und die Weinberge lange Schatten werfen.
Planspitze: Lichtspiele im Gesäuse
Wild schäumend zwängt sich die Enns zwischen Admont und Hieflau durch eine der größten Felsschluchten Europas. Zu beiden Seiten des engen Tal-Einschnitts ragen steile Kalkwände empor. Sie verleihen der Landschaft des Gesäuses sein unvergleichliches Erscheinungsbild. Einer der schönsten Aussichtspunkte hoch über dem Tal liegt im Bereich der Peternscharte, unweit der Planspitze, und ist über die Hesshütte erreichbar.
Dorthin gelangt man entweder über den anspruchsvollen Wasserfallweg, der beim Parkplatz Kummerbrücke startet, oder den Hüttenanstieg Nr. 601 von Johnsbach. Vom Gasthof Kölblwirt geht es an der Koderalm vorbei hinauf zur Hesshütte (1699 m), die auf dem Ennsecksattel zwischen Hochtor und Hochzinödl steht.
Von hier führt die Route über Felsbänder unter der Roßkuppe hindurch in das Geröllkar der Peternscharte (2002 m). Links führt der Weg zum legendären Peternpfad, rechts geht es anspruchsvoll hinauf zur Planspitze (2117 m). An der Weggabelung sind wir richtig, um einen spektakulären Sonnenuntergang zu erleben. Aufziehende Nebel können hier für eine besonders dramatische Stimmung sorgen.
Die Tour
Ort: Johnsbach
Ausgangspunkt: Parkplatz Kölblwirt (860 m)
Gehzeit: Für den Aufstieg zur Hesshütte rund 3 Stunden; weiter zur Peternscharte (2002 m) etwa 1,5 Stunden; ca. 1150 Höhenmeter
Guschen: Der frühe Vogel fängt den Wurm
Der Höhenweg von der Hochwurzen über das Roßfeld zum Gipfel der Guschen zählt zu den aussichtsreichsten Hochtouren in der Region Schladming-Dachstein. Schon der Ausgangspunkt bei der Bergstation Hochwurzen beeindruckt mit einem prächtigen Panoramablick über das Ennstal und die umgebende Berglandschaft.
Noch spektakulärer ist die Aussicht vom Gipfel der Guschen (1982 m). Besonders eindrucksvoll können Frühaufsteher den stillen Tauerngipfel bei Sonnenaufgang erleben. Noch bevor sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen, beginnt der Himmel über den Schladminger Tauern zu leuchten.
Beim Parkplatz des Hotels Winterer in Rohrmoos startet die Tour. Zunächst folgen wir dem Vier-Jahreszeiten-Weg zur ersten Kehre. Dort halten wir uns rechts in südlicher Richtung bis zu einer weiteren Kehre. An der scharfen Linkskurve geht es geradeaus zur Neudeckalm. Bei der Hütte führt die Route links hinauf zum Latterfußsattel und weiter zum Gipfelkreuz.
Die Tour
Ort: Schladming/Rohrmoos
Ausgangspunkt: Parkplatz Hotel Winterer
Gehzeit: Für den Aufstieg 3 Stunden; 730 Höhenmeter
Hochschwab: Farbenprächtiger Abend
Die Geschichte des Hochschwabs ist eng mit Erzherzog Johann verbunden, denn der „steirische Prinz“ wagte 1803 die erste touristische Überquerung des Gebirges. Er berichtete ausführlich darüber, und so rückte das Massiv in den Fokus von Bergsteigern und Naturbeobachtern.
Das Gipfelplateau ist über mehrere Hauptwege erreichbar: Viele kommen von Seewiesen und steigen über die neu errichtete Voisthalerhütte auf, andere wählen die anspruchsvollere Route vom Bodenbauer durch das Trawiestal über das sogenannte „G’hackte“. Leichter ist der Steig über die Häuslalm.
Die Kamera sollte griffbereit sein: Begegnungen mit Gämsen, aber vor allem Steinböcken sind jederzeit möglich. Ziel der Wanderung ist das Schiestlhaus (2156 m), 121 Meter unter dem Gipfel des Hochschwabs gelegen. Wer dort übernachtet, startet dem Sonnenaufgang entgegen.
Die Tour
Ausgangspunkte: Seewiesen, Seebergsattel, Bodenbauer oder Weichselboden
Gehzeit: Für den Abstieg von Seewiesen über die Voisthalerhütte oder vom Gasthof Bodenbauer über G‘hacktbrunnen zum Schiestlhaus etwa 4,5 Stunden. Für den Abstieg über die Häuslalm circa 4,5 Stunden. Von Weichselboden zum Schiestlhaus sind es rund 5 Stunden.
Generationen auf dem Green
Familientreffen auf dem Fairway: Golf ist Leidenschaft – egal, wie alt man ist. Das beweisen auch Timo und Hansjörg bei einer gemeinsamen Runde im Golfclub Murtal.
Text: Michaela Egger
Timo schlägt ab. Der Ball fliegt und fliegt und fliegt. Sein Spielpartner ist sichtlich stolz. „Super Schlag“, sagt Hansjörg, den man Hans nennt, zu seinem Großneffen. Hans ist 68 Jahre alt, Timo 14 – die beiden haben nicht nur eine familiäre Bindung, sie teilen auch ihre Liebe zum Golf. Der GC Murtal ist ihr Heimatclub – hier gehen der Schüler und der Pensionist regelmäßig gemeinsam ihrer Leidenschaft nach.
Es ist eine Besonderheit dieser Sportart: Ob alt oder jung, klein oder groß, Frau oder Mann, Anfänger oder Fortgeschrittener – beim Golf spielt das keine Rolle. Alle können gemeinsam auf eine Runde gehen. Jede Golferin und jeder Golfer weiß: Letztlich spielt man immer gegen sich selbst. Das heißt allerdings nicht, dass man sich nicht etwas ausspielen kann, meist ein Getränk nach dem Sport. Aber das ist eine andere Geschichte.
Golf kennt kein Alter
Timo Jäger ist schon als kleines Kind mit Ball und Schläger in Berührung gekommen. Hans zeigt stolz ein Video, in dem Mini-Timo einen Golfball mit dem Schläger in ein kleines Fußballtor im Garten schießt und lächelnd „Tooor!“ sagt. Passt irgendwie, schließlich ist der Schüler auch Fußballer und Eishockeyspieler.
Aber die Leidenschaft für Golf hat ihn nun so richtig gepackt. „Man kann runterkommen und es ist ein gutes Gefühl, wenn man den Ball ordentlich trifft“, schildert der Fohnsdorfer an diesem frühen Abend. Seit wann er heute am Platz ist? „Seit 8“, lacht Timo, der gern auch mit Freunden in seinem Alter spielt.
Man kann runterkommen und es ist ein gutes Gefühl, wenn man den Ball ordentlich trifft.
Der jugendliche Enthusiasmus hat Hansjörg Platzer, dessen Tochter übrigens Profispielerin war, neu motiviert. Er nimmt wie Timo regelmäßig Unterricht bei Paul Pichler, der sich im Golfclub Murtal zum Trainer ausbilden lässt. Der Platz gehört seit dieser Saison zur Murhof-Gruppe. Neu ist nicht nur die Golfschule unter der Leitung des ehemaligen Nationaltrainers Dominic Angkawidjaja, es gab auch einige bauliche Veränderungen.
Golfen in der Steiermark
Mehr Informationen zur „Steiermark GOLF CARD“ findet man hier.
Viele Golferinnen und Golfer aus dem ganzen Land kennen die flache Anlage in der Nähe des Red-Bull-Rings, die vor allem durch ihren üppigen Baumbestand, bunte Blumenwiesen und glasklare Bäche besticht. Oder wie es Hans mit einem Rundumblick ausdrückt: „Es ist einfach herrlich!“ Von neu ausgerichteten Abschlägen bis hin zu veränderten Bunkerlandschaften – es wird sich auch künftig noch einiges tun.
Für alle Nicht-Golfer: Bunker sind mit Sand gefüllte Hindernisse, die ins Spiel kommen können und das Leben der Golferinnen und Golfer nicht unbedingt erleichtern. Timos Ball liegt in einem dieser Bunker. Der Jugendliche macht aus der schwierigen Lage einen Zauberschlag direkt zur Fahne. Timo grinst, Hans ist einmal mehr begeistert. „Golf tut einfach Körper und Geist gut und man verbringt viel Zeit mit netten Leuten.“
Der Schatz aus dem Hochmoor
Karl Leitinger, der letzte Torfstecher, schildert, wie er das 6000 Jahre alte Pflanzenmaterial Stück für Stück abbaut. Und warum es in der Wellness zum Einsatz kommt.
Vor Jahren hätte an diesem beschaulichen Ort geschäftiges Treiben geherrscht. Denn hier, 15 Kilometer von Schwanberg entfernt, tief in den Wäldern der Deutschlandsberger Katastralgemeinde Garanas in den Ausläufern der Koralpe, findet sich das höchstgelegene Heilmoor Österreichs. Es erstreckt sich auf einer Seehöhe von 1300 Metern über rund drei Hektar. Eineinhalb davon sind noch nicht abgebaut und rund 6000 Jahre alt.
Als es im Jahr 1958 von Karl Leitinger und Gustav Fraydl entdeckt wurde, war schnell klar, dass das Material wirtschaftlich verwertet werden könnte. „Damals wohnten hier zehn bis zwölf Mitarbeiter, weil es sich nicht ausgezahlt hätte, jeden Tag den beschwerlichen Weg zurück ins Tal zu nehmen“, erzählt Karl Leitinger (54), Sohn des einstigen Mitbegründers und Pächter der Torfstecherei.
Anfangs wurden die mit speziellen Spaten abgestochenen Torfwürfel als Einstreu für Großvieh verwendet. Ihre Bestimmung hat sich seit 1973, als das Heilmoorbad Schwanberg eröffnet wurde, jedoch massiv geändert. Mittlerweile ist Leitinger auch der einzige Arbeiter im Hochmoor, allerdings mit technischer Unterstützung. Die Schaufel seines Baggers hat er selbst so umgebaut, dass es ihm möglich ist, große Torfblöcke aus dem Moor zu stechen.
Doch worum handelt es sich dabei eigentlich? „Ein Hochmoor besteht aus abgestorbenen Pflanzen, die durch Regenwasser oder Schnee getränkt wurden“, erklärt er, „im Gegensatz zum Niedermoor, in dem sich auch das Wasser von Bächen staut.“
Das Moor ist Lebensraum für seltene Pflanzen
Beim Abbau geht es um zwei Qualitäten: Die ersten 70 Zentimeter werden als Gartentorf verwendet, ab einer Tiefe von 70 Zentimetern ist das Moor für das Kur- und Gesundheitshotel in Bad Schwanberg gedacht. Hier wird es bei Behandlungen geschätzt, weil es lange warm hält und wertvolle Inhaltsstoffe wie Huminsäuren enthält, die das Immunsystem anregen. Doch auch die Natur fasziniert Leitinger am Hochmoor: „Hier wachsen zum Beispiel keine anderen Bäume als Föhren. Außerdem gedeiht der Rundblättrige Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze.“
Mitten im Idyll macht jedoch auch eine Warnung stutzig. „Achtung! Lebensgefahr durch Einsinken“ steht auf einer Tafel. „Wir haben hier fünf Becken, die das abgebadete Moor aus Schwanberg enthalten. In einigen Jahren kann es wieder als Heilmoor verwendet werden. Bis dahin sollte man sich aber fernhalten, denn wer in ein Becken fällt, wird unweigerlich durch die Dichte der Moormasse erdrückt.“ Es ist also doch nicht alles hier oben so beschaulich.
Text: Robert Preis
Ein warmes Willkommen
Thermen mit Ausblick. In der Steiermark beginnt Wellness nicht erst im warmen Thermalwasser. Sondern bereits mit dem Blick nach draußen.
Therme Loipersdorf
Therme NOVA
H2O-Therme
Die Steiermark ist ein begnadeter Ort. Von der alpinen Kulisse des Nordens bis zu den sanften Vulkanhügeln des Südens sprudeln Thermalquellen. Die unterschiedlichen Landschaften sind nicht nur Quelle des Wassers, sondern auch Ausgangspunkt für die architektonische Inszenierung der Thermen. Sie sind mehr als Orte zum Schwimmen und Saunieren: Ihre Architektur lässt die Umgebung gezielt Teil des Erlebnisses werden.
Der namensgebende Gebirgsstock ist in der Grimming-Therme nicht bloßes Beiwerk, sondern Hauptdarsteller. Beim Entspannen im warmen Wasser der Relaxbecken im Freien hat man den 2351 Meter hohen Berg, auf dessen Gipfeln bald der erste Schnee liegen wird, als spektakuläres Gegenüber.
In Köflach werden die bewaldeten Hügel, weiten Täler und die Bergwelt der Lipizzanerheimat zum Panorama, dem sich die Therme NOVA Köflach durch ihre großen Glasflächen öffnet. Den besten Blick hat man von der Stubalmsauna und der Sonnenterrasse auf dem Dach des Gebäudes aus.
Während die Erlebniswelt der Aqualux-Therme in Fohnsdorf mit Rutschen und Familienbecken ganz auf Wasserspaß konzentriert ist, genießt man aus dem Vita Dome in aller Ruhe die Aussicht auf Schloss Gabelhofen und die Murtaler Berge.
Die Therme der Ruhe in Bad Gleichenberg knüpft an die Kurtradition des Ortes an. Sie ist eng mit dem historischen Park verbunden und führt damit ein Motiv weiter, das bereits die Kurarchitektur des 19. Jahrhunderts prägte: Natur, Bewegung und Erholung als Einheit.
In der Parktherme Bad Radkersburg kann man die rund fünf Hektar große Grünanlage nicht nur im Freien, sondern durch die großen Glasflächen auch von innen wahrnehmen.
In Loipersdorf stieß man 1972 bei der Suche nach Erdöl zufällig auf Heilwasser und legte damit den Grundstein für eines der größten Thermenresorts in Österreich, eingebettet in eine weitläufige Wasser- und Gartenlandschaft.
Die Heiltherme Bad Waltersdorf setzt dagegen auf Ruhe und Natur. Auf dem rund vier Hektar großen Areal mit Spazierwegen, Kraftplätzen, Lavendellabyrinth und Naturbadeteich wird die Landschaft zum Rückzugsraum.
Das weit gespannte Dach der H2O-Therme signalisiert schon von Weitem: Hier steht das Erlebnis im Mittelpunkt – und zwar unabhängig vom Wetter.
Der radikale Entwurf des Künstlers Friedensreich Hundertwasser und des Bauherrn Robert Rogner in Bad Blumau treibt das Prinzip auf die Spitze: Dächer werden zu begrünten Landschaften, Baukörper nehmen organische Formen an und Wege führen durch eine Architektur, die sich selbst wie eine künstlich geschaffene Landschaft präsentiert. Hier verschmelzen Gebäude und Umgebung tatsächlich zum Gesamtkunstwerk (Foto unten).
Die Generation Miteinander
Sie teilen Ideen statt Ellbogen. Junge Winzer aus Tieschen arbeiten zusammen, entwickeln gemeinsame Veranstaltungen und beweisen, dass Qualität, Freundschaft und Kreativität heute oft erfolgreicher sind als Konkurrenz.
Text: Georg Hoffelner
Die Generation Miteinander
Sie teilen Ideen statt Ellbogen. Junge Winzer aus Tieschen arbeiten zusammen, entwickeln gemeinsame Veranstaltungen und beweisen, dass Qualität, Freundschaft und Kreativität heute oft erfolgreicher sind als Konkurrenz.
Text: Georg Hoffelner
Als sichtbares Zeichen des Zusammenhalts haben sich die Winzer auch das gleiche Tattoo machen lassen.
Als sichtbares Zeichen des Zusammenhalts haben sich die Winzer auch das gleiche Tattoo machen lassen.
Während anderswo über Absatzkrisen, sinkenden Weinkonsum und die Generation Z diskutiert wird, passiert in Tieschen etwas Bemerkenswertes. Eine Gruppe junger Winzer beschäftigt sich weniger mit der Frage, wer den besseren Wein macht, sondern vielmehr damit, wie eine ganze Region besser werden kann. Das klingt fast zu harmonisch, funktioniert aber erstaunlich gut.
Simon Engel gehört zu den Köpfen dieser Bewegung. Der Winzer ist keiner, der sein Wissen hortet oder den Nachbarn argwöhnisch über den Zaun beobachtet. Im Gegenteil. Gute Kollegen seien keine Bedrohung, sondern die Voraussetzung dafür, dass eine Region wahrgenommen werde. Wer gemeinsam Qualität entwickelt, profitiere am Ende auch gemeinsam.
Diese Philosophie verbindet Engel mit Winzern wie Michael Gangl vom Weingut Kobatl oder Lukas Jahn vom Locknbauer. Man kennt sich, hilft sich, entwickelt Ideen weiter und bringt gemeinsam Veranstaltungen auf die Beine. Konkurrenz? Natürlich gibt es sie. Aber sie endet dort, wo das gemeinsame Ziel beginnt: Tieschen als junge, kreative Weinregion sichtbar zu machen.
Das Ergebnis sind Formate, die mit klassischen Weinfesten wenig gemeinsam haben. Die Grean Sessions wurden zu einem Experimentierfeld für Wein, Musik, Kunst und Handwerk. Während Winzer ausschenkten, arbeiteten Künstler live vor Publikum, Möbel entstanden aus Stahl, Tätowierer waren ebenso Teil des Programms wie regionale Musiker. Niemand stand im Hintergrund. Alle bekamen dieselbe Bühne. Genau das ist Simon Engels Zugang: Ein guter Abend lebt nicht nur vom Wein, sondern von den Menschen, die ihn möglich machen.
Diese Denkweise zieht sich durch nahezu alle Projekte der jungen Tieschener. Beim Locknbauer wird mit Sempre Domenica der Sonntag zum Treffpunkt für Pizza, Wein und Musik. Engel selbst setzt mit Wine & Feelgood auf große Sommerabende mit DJs, Livebands, regionaler Kulinarik und hochwertigem Wein. Keine austauschbaren Zeltfeste, sondern Veranstaltungen mit Charakter – irgendwo zwischen Weinfest, Kulturfestival und Wohnzimmergefühl.
Auffällig ist dabei, dass die Bühne längst nicht mehr nur Winzern gehört. Musiker wie Sladoled Lovekomet sind genauso selbstverständlich Teil des Programms wie Kreative aus der Region. Einer davon ist Markus Jausovec – besser bekannt als DJ Fiago –, der als DJ ebenso zuhause ist wie im Weingut Aanna Gießauf. Wein wird hier nicht inszeniert, um hip zu wirken. Er ist Teil eines Netzwerks kreativer Menschen, die sich gegenseitig inspirieren.
Genau darin liegt vielleicht das eigentliche Erfolgsrezept. Die jungen Winzer verkaufen nicht einfach Wein. Sie schaffen Erlebnisse. Sie bringen Menschen zusammen. Sie erzählen Geschichten über ihre Region, ohne sie künstlich aufzublasen. Und sie beweisen, dass Herkunft heute mehr bedeutet als eine Riede oder eine Rebsorte.
Während vielerorts noch darüber diskutiert wird, wie junge Menschen wieder zum Wein finden sollen, liefern die Tieschener längst eine Antwort. Nicht mit lauten Werbebotschaften, sondern mit guten Ideen. Die Generation unter 40 sucht weniger den schnellen Rausch als besondere Momente. Sie trinkt bewusster, interessiert sich für Herkunft, Qualität und Authentizität. Genau dort setzen Engel und seine Mitstreiter an.
Vielleicht ist das die eigentliche Revolution. Nicht der nächste Naturwein, nicht die spektakulärste Vinifikation und auch nicht die nächste Goldmedaille. Sondern die Erkenntnis, dass Zusammenarbeit heute oft erfolgreicher ist als Konkurrenz. Tieschen zeigt eindrucksvoll, wie eine Weinregion der Zukunft aussehen kann: offen, kreativ und vernetzt. Eine Region, in der junge Winzer nicht fragen, wer vorne liegt – sondern wie sie gemeinsam weiterkommen.
Fotos: Michael Königshofer (Titelbild), KLZ/Stefan Pajman (13), KLZ/Herbert Raffalt (4), Steiermark Tourismus/Pixelmaker.at, H2O-Therme, Therme Loipersdorf, TV Region Graz/Die Abbilderei, Rogner Bad Blumau/Harald Eisenberger, Richard Großschädl (2), Manuel Hanschitz, Nadja Fuchs, Steiermark Tourismus/Tom Lamm (3), TV Region Graz/Studio Draußen, Martin Huber, Harald Tauderer, Der Wilde Eder, Sattlerhof/Cornelius Klimt, Christoph Lukas.
Entstanden in Kooperation mit Steirische Tourismusmarketing GmbH. Die inhaltliche Verantwortung liegt bei der Redaktion der Kleinen Zeitung.