UDINE

Die unterschätzte heimliche Hauptstadt Friauls

Piazza Giacomo Matteotti

Foto: IMAGO/Val Thoermer

Foto: IMAGO/Val Thoermer

Bis Ende August ist eine erstklassige Ausstellung in der Casa Cavazzini im historischen Stadtkern zu sehen. Ein Grund mehr, übers Wochenende nach Udine zu fahren. Eine Stadt, die sich nicht zwischen Triest und Venedig verstecken muss.

Von Gudrun Schaffhauser-List

Vorbei an den Julischen Alpen und dem wilden Fluss Tagliamento, öffnet sich die Landschaft zur zuerst hügeligen und weiter südwärts flachen friaulanischen Tiefebene. Mitten darin liegt die 100.000-Einwohner-Stadt Udine. Für viele ist sie nur eine Station auf dem Weg zur Adria – doch es wäre viel zu schade, an diesem Juwel vorbeizufahren.

„Sagen Sie nicht, dass Sie aus Triest kommen und es Ihnen dort gefallen hat. Wien, Graz oder Aquileia ist in Ordnung”, spielt Reiseführerin Margarete Berg auf die nicht ganz ernst gemeinte Rivalität zwischen den Städten in der Region zwischen den Alpen und der Adria an. Neben Triest und Venedig braucht sich Udine nämlich nicht zu verstecken.

Der Aufzug und das Besucherzentrum in der Vicolo Sottomonte

Der Aufzug und das Besucherzentrum in der Vicolo Sottomonte. Foto: KLZ/Schaffhauser-List

Der Aufzug und das Besucherzentrum in der Vicolo Sottomonte. Foto: KLZ/Schaffhauser-List

Aber Unterschiede müssen sein: Bestellt man in Triest einen „Nero“, bekommt man einen Espresso serviert, in Udine hingegen ein Glas Rotwein. Viele verabschieden sich nicht mit „Ciao“, sondern mit „Mandi“.

Die bei österreichischen Besuchern so beliebten norditalienischen Städte haben nicht nur jeweils ihre eigene Geschichte und kulinarische Spezialitäten, sondern auch ihren eigenen Dialekt. Friulanisch ist sogar regionale Amtssprache, die älter als das Italienische ist und von etwa einer halben Million Menschen gesprochen wird.

Statt Kaffee zu trinken, gehen die Udinesi gerne auf einen „Tajut“ – ein Glas Wein in einer Osteria am späten Vormittag oder nach der Arbeit. Davor gibt es aber noch einiges zu entdecken. Lange war Udine ein großer Marktplatz und Treffpunkt der Bauern aus der Region. In dieser Zeit entstand auch die Kultur der Osteria, in der Einheimische und Reisende einkehrten. Dort gab es den „Mediatore“, einen Kommunikator, der alle kannte. „Er war sozusagen Google Maps“, sagt Margarete Berg, die seit vielen Jahrzehnten in Italien lebt und durch die Altstadt führt.

Schloss von Udine

Das Schloss von Udine auf dem Burgberg. Foto: Imago

Das Schloss von Udine auf dem Burgberg. Foto: Imago

Um den Hügel mitten in Udine, auf dem das weithin sichtbare Schloss steht, ranken sich Legenden. Attila der Hunnenkönig soll nach der Plünderung von Aquileia im Jahr 452 nach Christus seinen Soldaten befohlen haben, einen Hügel aufzuschütten, von dem aus er die brennende Stadt beobachten konnte. Neueren Forschungen zufolge wurde der Hügel tatsächlich von Menschenhand errichtet, ist aber viel älter und stammt aus der Bronzezeit. Auf den Burgberg hinauf führt heute ein neuer Aufzug, dessen Zugang etwas versteckt ist.

Am Fuße des Schlossbergs liegt die Piazza Libertà, umrahmt von spektakulären Bauten, bei denen sich die Adelsfamilien einen kostspieligen Wettstreit lieferten. Der Platz zeugt von der langen Beziehung Friauls mit der Republik Venedig, dargestellt durch gleich mehrere Markuslöwen. Schließlich fiel die Stadt im Jahr 1797 durch den Vertrag von Campo Formio an die Habsburger.

Uhrturm der Loggia di San Giovanni

Der Uhrturm der Loggia di San Giovanni und die Statue des Herkules an der Piazza della Libertà. Foto: Imago

Der Uhrturm der Loggia di San Giovanni und die Statue des Herkules an der Piazza della Libertà. Foto: Imago

Wer zeitgenössische Kunst bevorzugt, ist im Museum in der Casa Cavazzini bestens aufgehoben. Es liegt mitten im Zentrum, die Räumlichkeiten atmen den Geist der mittlerweile verstorbenen italienischen Architektin Gae Aulenti. Bis Ende August ist noch die sehenswerte Ausstellung „Impressionismus und Modernismus“ mit Werken von Monet, Van Gogh, Picasso, Kandinsky oder Magritte zu sehen.

Die Casa Cavazzini zeigt moderne Kunst, aber auch Wand- malereien von Afro Basaldella aus dem Jahr 1938. Foto: Fabrice Gallina

Die Casa Cavazzini zeigt moderne Kunst, aber auch Wand- malereien von Afro Basaldella aus dem Jahr 1938. Foto: Fabrice Gallina

In den Laubengängen der Altstadt von Udine reihen sich kleine Geschäfte aneinander, grenzt eine Osteria an die nächste. Nach dem Flanieren ist es Zeit für einen „Tajut“. Dazu werden „Stuzzichini“, kleine Appetithäppchen wie Oliven, Käse oder Bruschetta gereicht.

Reiseführerin Margarete Berg lebt seit Jahren in Italien und hat drei Tipps für Sie in Udine parat.

Reisetipps

Anreise: Durch die Koralmbahn ist Udine nun mit dem Zug in weniger als drei Stunden von Graz und noch schneller von Kärnten aus erreichbar. oebb.at

Übernachten: Zehn Fußminuten vom Bahnhof entfernt liegt das Vier-Sterne-Hotel Astoria in der Altstadt. hotelastoria.udine.it

Essen: Im „Antica Maddalena“ (Via Pelliccerie 4) liegt der Schwerpunkt auf Fischgerichten. Das „Alla Ghiacciaia“ ist ein familiengeführtes Restaurant mit friaulanischer Küche (Via Antonio Zanon 13).

Führungen: Stadtführungen auf Italienisch und Englisch (wenn die Gruppe mehrheitlich deutschsprechend ist, auch auf Deutsch) jeden Samstag um 10.30 Uhr. turismofvg.it

Lokaltipps Udine

Antica Maddalena
Adresse: Via Pelliccerie, 4, 33100 Udine UD
Telefon: 0432 500544

Alla Ghiacciaia
Adresse: Via Antonio Zanon, 13, 33100 Udine UD
Telefon: 0432 502471

Am Weg nach Grado: Al Granaio
Adresse: Via Tiel, 24, 33050 Fiumicello Villa Vicentina UD
Telefon: 0339 725 8894

Diese Reise wurde unterstützt von ÖBB, ENIT und Promo Turismo FVG.