GESCHICHTE DER GEWALT

Der israelisch-palästinensische Konflikt in Karten erklärt

GESCHICHTE IN KARTEN

Der lange israelisch-palästinensische Konflikt und der neue Krieg in Nahost

Von Silke Ulrich, Jonas Binder, Eva Wabscheg und Fatima Al Masodi

Von seiner Gründung 1948 bis 2023 war Israel in sechs Kriegen Konfliktpartei. Die Geschichte des jüdischen Staates, eingebettet in eine islamische Welt, ist geprägt von Konflikten um begrenzte Ressourcen, insbesondere Wasser und Land. Großmächte wie die USA und die Sowjetunion bzw. Russland, aber auch Saudi-Arabien und der Iran haben und hatten stets wirtschaftliche und militärische Interessen in dieser Region. Eine Reise von biblischen Zeiten bis zu den  aktuellen Konflikten Israels mit der Hamas, Hisbollah und dem Iran – zuletzt aktualisiert am 31. März 2026.

Biblisches Israel

Bereits in der antiken und mittelalterlichen Geschichte des Gebiets Palästina zwischen Mittelmeer und Jordan waren Auseinandersetzungen zwischen polytheistischen Völkern, Juden und später auch Christen sowie Muslimen oft religiös begründet. Aus der Bronzezeit sind die Kanaanäer, israelitische Nomaden (Hebräer) und Philister bekannt. Die religiöse Komponente ist insbesondere von Bedeutung, als dass Juden mit dem israelitischen Reich des beginnenden ersten Jahrtausends vor Christus – dem  biblischen Israel König Davids und Salomons  bzw. dem „Gelobten Land“ – ihren heutigen Anspruch auf das Land begründen.

Osmanische Herrschaft

Während des Ersten Weltkriegs wollten die Alliierten die arabischen Stämme in der Region, die unter die Herrschaft des  Osmanischen Reichs  gekommen waren, mit der Aussicht auf ein eigenes arabisches Reich zum Aufstand gegen den Sultan bewegen. Ein solches Reich hätte unter anderem auch Palästina umfassen sollen. Besonders Großbritannien tat sich mit Versprechungen hervor, wie nicht zuletzt im autobiografischen Roman „Die sieben Säulen der Weisheit“ des britischen Offiziers T. E. Lawrence nachzulesen ist. Nach Palästina wanderten ab 1882 aber auch Juden aus (Ost-)Europa auf der Flucht vor dem aufkeimenden modernen Antisemitismus aus. Wichtiger Vordenker der zionistischen Bewegung war Theodor Herzl.

Britische Mandatszeit

Doch die Araber gingen leer aus. Im Sykes-Picot-Abkommen planten die Briten und Franzosen die Aufteilung der Gegend in ihre jeweiligen Einfluss- und Herrschaftsgebiete. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielten die Briten durch den Völkerbund (Vorläufer der Vereinten Nationen) ein Mandat über das heutige  Israel  westlich und  Jordanien  östlich des Jordan. Letzteres wurde 1946 als Königreich – ein arabisches Land – vollständig unabhängig.

Jüdische Einwanderung

Währenddessen ging die jüdische Einwanderung weiter, „die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk“ (Balfour-Deklaration 1917) wurde von den Briten dezidiert unterstützt. Der Anteil der Jüdinnen und Juden an der Gesamtbevölkerung wuchs etwa gegen Ende des Zweiten Weltkriegs auf ein Drittel an und auch der  jüdische Landbesitz  nahm stark zu. In weiterer Folge kam es immer wieder zu gewaltsam ausgetragenen Konflikten zwischen der arabischen Bevölkerung und den Einwanderern.

UN-Teilungsplan

Nachdem den Briten die Kontrolle über das arabisch-jüdische "Pulverfass" entglitten war, sollte 1947 ein Teilungsplan der Vereinten Nationen (UN) für das Gebiet westlich des Jordans eine Befriedung herbeiführen. Er sah einen  jüdischen Staat  auf gut 56 Prozent der Landfläche und einen  arabischen Staat  mit knapp 43 Prozent der Fläche sowie eine Sonderlösung für Jerusalem vor. Während im arabischen Gebiet kaum Juden lebten, stellten die Araber auch in jenem Gebiet, das den Juden zugesprochen werden sollte, knapp die Mehrheit. Folglich lehnten die Araber ab. Die Juden hingegen wären mit dem Plan einverstanden gewesen – und proklamierten am 14. Mai 1948 den Staat Israel.

Unabhängigkeit
und Krieg

Bereits am Tag nach der Unabhängigkeitserklärung griffen Ägypten, Syrien, der Libanon, Transjordanien und der Irak den neuen jüdischen Staat an. Israel ging siegreich aus diesem ersten Krieg hervor und konnte sein  Staatsgebiet  dabei sogar vergrößern – auf 78 Prozent der Landfläche. Im Zuge der Staatsgründung sind indes laut UN-Schätzungen mehr als 700.000 Araber geflohen bzw. vertrieben worden (rund 100.000 in den Libanon). Es kam in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch zu einer Massenvertreibung und -emigration von rund 850.000 Juden aus den arabischen Ländern, was aber mit dem Krieg nicht unmittelbar in Zusammenhang stand.

Besatzungsmacht Israel

Die weiteren fünf Kriege und bewaffneten Auseinandersetzungen sollen hier nicht mehr im Detail erörtert werden. Zu erwähnen ist jedoch der „Sechstagekrieg“ 1967, in dem Israel den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel (Ägypten), das Westjordanland (Jordanien), die Golanhöhen (Syrien) sowie Ostjerusalem eroberte, so sein  Territorium  erneut massiv erweitern konnte und damit zur Besatzungsmacht wurde. Die israelischen Regierungen forcierten daraufhin den Bau von Siedlungen in den besetzten Gebieten. Die Palästinenser leisteten indes den von Israel geschaffenen Realitäten Widerstand – sowohl gewaltsam als auch gewaltlos und auf dem Verhandlungsweg.

Teilweise Gebietsrückgabe

Der Golan und Ostjerusalem sind auch heute noch israelisch besetzt, die Sinai-Halbinsel wurde hingegen nach den Camp-David-Verhandlungen ab 1979 schrittweise an Ägypten zurückgegeben. Auch den  Gazastreifen  räumten die Israelis wieder – ebenso die dort errichteten jüdischen Siedlungen. Im  Westjordanland  ist die Lage hingegen komplizierter.

Dreiteilung des Westjordanlands

Im Zuge des Osloer Friedensabkommens wurde das Westjordanland – Ostjerusalem ausgenommen – in drei Zonen unterteilt. In der  autonomen Zone A,  in der die großen Städte, ausgenommen Hebron, liegen (18 Prozent der Fläche), erhielten die Palästinenser die Selbstverwaltung. Das Sagen hat die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO). In  Zone B  mit rund 450 Kleinstädten sowie Dörfern (22 Prozent) gelten palästinensische Zivilverwaltung und israelische Sicherheitshoheit. Die  Zone C , die gut 60 Prozent der Fläche ausmacht, steht unter vollständiger israelischer Kontrolle. Landwirtschaft ist den Palästinensern hier erlaubt, die Errichtung von Gebäuden aber weitgehend verboten.

Jüdische Siedlungen

Stattdessen überzieht die vollständig unter israelischer Kontrolle stehenden  C-Gebiete  Ende 2025 ein Netz von mehr als 350 – völkerrechtlich illegalen –  jüdischen Siedlungen  und  Siedler-Außenposten. Zudem gibt es fast 850 isrealische Hindernisse wie Checkpoints, Tore oder Straßensperren, die die Bewegungsfreiheit der Palästinenser einschränken. Laut UN-Angaben leben im Westjordanland (inklusive Ostjerusalem) mehr als 700.000 jüdische Siedler zwischen 3,3 Millionen Palästinensern.

Die Jerusalemfrage

Eines der großen israelisch-palästinensischen Konfliktfelder ist die Jerusalemfrage. Die Stadt ist geteilt in einen palästinensisch besiedelten (und jüdisch besetzten) Ost- sowie einen jüdischen Westteil. Während die Palästinenser den Ostteil als Hauptstadt eines erhofften palästinensischen Staates betrachten, gilt den Israelis das gesamte, ungeteilte Jerusalem als Hauptstadt.

„Heilige Stadt“

Im Ostteil Jerusalems liegt auch die Altstadt mit der christlichen Grabeskirche sowie dem Tempelberg mit der jüdischen Klagemauer und dem muslimischen Felsendom sowie der Al-Aksa-Moschee. Jerusalem gilt allen drei Religionen als „Stadt Gottes“.

Gewaltorgie ab
Herbst 2023

Jüngstes Kapitel in der gewaltvollen israelisch-palästinensischen Geschichte: Am 7. Oktober 2023 beginnt mit den Angriffen von
  Kämpfern und   Raketen der seit 2007 im Gazastreifen herrschenden Hamas eine Gewaltorgie. Der Terrorangriff fordert rund 1200 Todesopfer unter den Israelis. Außerdem verschleppen die Terroristen 251 Geiseln in den Küstenstreifen. Die israelischen Streitkräfte reagieren zunächst mit massiven   Bombardements im Gazastreifen.

Die Karte zeigt eine Auswahl der Raketen- und Bombeneinschläge.

Die Bodenoffensive

Auf die Bombardements folgt eine Bodenoffensive: Die israelischen Streitkräfte dringen in den nördlichen Teil des Küstenstreifens vor. Die Kämpfe erreichen bald auch Gaza-Stadt und dort das Al-Shifa-Krankenhaus, die größte
  Klinik des Gazastreifens. Israel vermutet unter dem Spital eine Hamas-Kommandozentrale. Berichtet wird auch von heftigen Kämpfen in der Nähe des Al-Kuds-Krankenhauses. Die Karte zeigt die vom Institute for the Study of War lokalisierten  Operationsgebiete der Israelis  bis 22. November 2023. Im März 2024 kommt es rund um das Al-Shifa-Spital erneut zu Kämpfen.

Waffenruhe und Israels Vormarsch im Süden

Ab 24. November 2023 werden im Zuge einer Waffenruhe bis 1. Dezember 2023 rund 100 Geiseln freigelassen – im Austausch für 240 palästinensische Häftlinge. Nach Ablauf der Feuerpause flammen erneut heftige Kämpfe auf. Israelische Truppen rücken im Rahmen ihrer Bodenoffensive im Dezember nun auch   in den Süden des Gazastreifens vor. Mit Stand Mai 2025 sind nach UN-Angaben 90 Prozent der Menschen bzw. 1,9 Millionen mindestens einmal innerhalb des Gazastreifens vertrieben, manche davon mehrfach.

Vormarsch auf Rafah

Im Mai 2024 rückt Israel mit Panzern nach Rafah vor. Hundertausende sind laut UN aus der Stadt geflohen. Die Karte zeigt die  Operationsgebiete  der Israelis Anfang Juli 2024 sowie Gebiete, in denen das israelische Militär im Zuge der Bodenoffensive  zuvor operiert hatte  und aus denen sich mittlerweile zurückgezogen hat. Parallel wird über eine Waffenruhe verhandelt. Für Hilfslieferungen geöffnet   sind Anfang Juli zwei Grenzübergänge. Zudem war im Mai 2024 ein   Pier für humanitäre Hilfe per Schiff in Betrieb gegangen.

Ein Jahr nach dem Terror

Die Lage im Gazastreifen Ende Oktober 2024, mehr als ein Jahr nach dem Hamas-Terrorangriff: Neben dem laufenden  israelischen Militäreinsatz  erfolgen immer wieder Luftschläge. Dabei werden auch mehrere ranghohe Hamas-Funktionäre, etwa Regierungschef Rawhi Mushtaha und Militärchef Mohammed Deif, getötet. Bei einem Feuergefecht am 16. Oktober 2024 stirbt Hamas-Chef Yahya Sinwar. Der Betrieb des   provisorischen Piers für humanitäre Hilfe war im Juli 2024 nach nur wenigen Betriebstagen etwa wegen Problemen durch den Seegang eingestellt worden.

Erneute Waffenruhe

Nach mehr als 15 Monaten Krieg und monatelangen Verhandlungen mit den USA, Katar und Ägypten als Vermittler tritt am 19. Jänner 2025 eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas in Kraft. Die  israelischen Streitkräfte  sollen sich schrittweise aus dem Zentrum des Gazastreifens zurückziehen und die in den Süden vertriebenen Palästinenser in den Norden des Küstengebiets zurückkehren können. Zudem sollen israelische Geiseln im Gegenzug für zahlreiche palästinensische Gefangene freigelassen werden.

Neue Offensive

Mitte März 2025 ist die zweimonatige Waffenruhe im Gazastreifen wieder vorbei: Israelische Kampfflugzeuge bombardieren Ziele im gesamten Küstenstreifen, Panzer beschießen das Gebiet. Zudem sind alle Grenzen geschlossen, Israel blockiert die Hilfslieferungen nach Gaza. Anfang Mai werden angebliche Pläne des israelischen Sicherheitskabinetts bekannt, die eine Eroberung und dauerhafte Besetzung des Palästinensergebiets vorsehen. Israel hat unterdessen laut UN bereits rund 50 Prozent des Küstenstreifens zur   „Sicherheitszone“ erklärt, in der die Armee operiert. Israel zufolge wird (nach seinem 2024 eliminierten Bruder Yahya) im Mai nun auch Hamas-Anführer Mohammed Sinwar bei einem Luftangriff getötet.

Beschränkte Hilfe

Anfang August 2025 operieren die israelischen Streitkräfte in   beträchtlichen Gebieten im Küstenstreifen. Auch außerhalb dieser Zonen werden die Bewohner vielerorts zur Evakuierung aufgefordert. Seit 19. Mai sind nach der Blockade wieder   Grenzübergänge für Hilfslieferungen in stark eingeschränktem Ausmaß geöffnet. Laut UN-OCHA werden die Hilfsgüter oft direkt durch hungernde Zivilisten oder bewaffnete Gruppen von Lkws abgeladen und in Besitz genommen. Bei der Nahrungsmittelverteilung kommt es auch zu tödlicher Gewalt, insbesondere bei   Verteilzentren der Gaza Humanitarian Foundation, berichten Ärzte ohne Grenzen.

Trumps Friedensplan

Nachdem sich US-Präsident Donald Trump im Jänner 2025 gar für eine Absiedlung der Palästinenser aus dem Gazastreifen ausgesprochen hatte, präsentiert er am 29. September einen 20-Punkte-Friedensplan. Dieser beinhaltet unter anderem den schrittweisen Rückzug der israelischen Armee hinter die ungefähr gezogenen Linien 1, 2 und 3. Zwischen Linie 3 und der Grenze zu Israel soll eine Pufferzone entstehen. Der Plan genießt international breite Unterstützung. Im Küstenstreifen soll zunächst eine palästinensische Technokraten-Regierung unter internationaler Aufsicht die Macht übernehmen.

Israelischer Teilrückzug

Im Oktober 2025 zieht sich Israel tatsächlich hinter einen grob der Linie 1 aus Trumps Friedensplan entsprechenden Bereich zurück. Nach 738 Tagen lässt die Hamas auch die letzten 20 der 251 am 7. Oktober 2023 entführten Geiseln frei. Zugleich kommen rund 250 palästinensische Häftlinge mit lebenslangen Haftstrafen und 1700 während des Gaza-Krieges festgenommene Palästinenser aus israelischer Gefangenschaft frei. Bis 26. Jänner 2026 werden auch alle noch im Gazastreifen verbliebenen toten Geiseln übergeben. Damit sind die Bedingungen für den Übergang in die zweite Phase des Gaza-Friedensplans erfüllt.

Tod und Zerstörung

Eine UNOSAT-Satellitenbildanalyse geht davon aus, dass bis Oktober 2025 81 Prozent aller Gebäude im gesamten Gazastreifen zerstört oder beschädigt worden sind. Bis Mitte März 2026 wurden nach Angaben der Hamas-Behörden mehr als 72.000 Menschen durch Bombardements und Kämpfe im Gazastreifen getötet. Israelischen Angaben zufolge kamen bei der Bodenoffensive mehr als 470 israelische Soldatinnen und Soldaten ums Leben. Im November 2024 hat der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, Ex-Verteidigungsminister Joav Gallant und den bereits toten Hamas-Anführer Mohammed Deif erlassen.

Spannungen im Westjordanland

Auch im Westjordanland haben seit dem 7. Oktober 2023 die Spannungen zugenommen. Immer wieder ist es zu  gewaltsamen Zusammenstößen zwischen israelischen Soldaten und militanten Palästinensern gekommen, wie diese Karte mit Stand Ende September 2024 zeigt. Zudem werden verstärkt Angriffe von israelischen Siedlern auf Palästinenser registriert. Die israelische Menschen­rechtsorganisation B'Tselem hat bis Mitte März 2026 die gewaltsame Vertreibung von mehr als 4500 Palästinensern aus ihren Behausungen dokumentiert, darunter an den dargestellten   Orten. Laut der Friedensbewegung „Peace Now“ hat Israel im Jahr 2024 zudem rund 24 Quadratkilometer Land zu israelischem „Staatsland“ erklärt.

Militäreinsätze im Westjordanland

Ab Ende August 2024 führt Israel außerdem eine größere   mehrtägige Militäroperation im Norden des Gebiets durch. Im Jänner 2025 kommt es abermals zu einem israelischen Militäreinsatz in der Stadt Jenin. Nach Angaben der UN ist es bei den Operationen zur Vertreibung von weiteren gut 33.000 Palästinensern gekommen. Etwa 1050 Palästinenser und 40 Israelis (Zivilisten und Soldaten) wurden laut UN von 7. Oktober 2023 bis Anfang 2026 im Westjordanland getötet.

Eskalation an der Grenze zum Libanon

Im Schatten der Kämpfe zwischen Israel und Hamas ist die Lage an der israelisch-libanesischen Grenze ebenfalls zunehmend eskaliert: Die  Hisbollah beschießt den Norden Israels, worauf Israel mit  Bombardements im Südlibanon reagiert. Die mit der Hamas verbündete Hisbollah wurde in den 1980er-Jahren als Reaktion auf die damalige israelische Invasion im Libanonkrieg gegründet. Sie wird vom Iran unterstützt und ist in vielen Ländern als Terrororganisation eingestuft.

Südlibanon im Detail

Die Karte illustriert nochmals im Detail, wo von 7. Oktober 2023 bis 22. September 2024 die  Hisbollah Israel mit Artillerie, Raketen oder Drohnen beschossen und wo  Israel den Südlibanon bombardiert hat. Nach israelischen Angaben mussten in Grenznähe mehr als 80.000 Israelis evakuiert werden, im Libanon sollen laut UN-Migrationsagentur IOM zunächst mehr als 76.000 Menschen geflohen sein.

Die Karte bezieht sich auf eine Vielzahl von Quellen, die das Washington Institute zusammengetragen hat, darunter Medien, aber auch Israel und die Hisbollah.

Kommunikationsgeräte als Waffen

Im Libanon   explodieren am 18. und 19. September 2024 hunderte Pager und Funkgeräte von Hisbollah-Mitgliedern. Israel äußerte sich nicht zur Urheberschaft der Explosionen mit 39 Toten und fast 3000 Verletzten. Am 30. Juli sowie am 20. September werden bei israelischen   Luftangriffen bei Beirut ranghohe Hisbollah-Kommandeure getötet, am 28. September schließlich Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah. Schon am 1. April sterben bei einem mutmaßlichen Luftangriff Israels auf das iranische Botschaftsgelände in der syrischen Hauptstadt Damaskus unter anderem Generäle der iranischen Revolutionsgarden.

Die Karte zeigt eine Auswahl an Orten mit bestätigten Explosionen.

Bombenkampagne als Auftakt zur Invasion

Die israelische Armee meldet ab 23. September 2024 den größten Lufteinsatz gegen die Hisbollah seit Beginn des Gaza-Krieges mit 2000 Angriffen auf „terroristische Ziele“ im Libanon binnen drei Tagen. Auch die Hisbollah beschießt Israel weiter. Die israelische Luftkampagne bildet den Auftakt für eine Invasion mit Bodentruppen in den Südlibanon. Die libanesischen Behörden melden von 8. Oktober 2023 bis 14. Oktober 2024 mehr als 2200 Tote und mehr als eine Million Vertriebene.

Die Karte zeigt die israelischen Bombardements sowie den Beschuss Israels durch die Hisbollah jeweils von 23. September bis 1. Oktober.

UNO-Mission im Libanon

Angesichts mehrerer Invasionen Israels im Südlibanon etablierte die UNO ab 1978 eine Friedensmission (UNIFIL) im Gebiet  zwischen Litani-Fluss und „Blauer Linie“,  aus dem sich die israelische Armee zuletzt 2006 nach Israel zurückzog. Die „Blaue Linie“ entspricht weitgehend der international anerkannten Grenze zwischen den beiden Ländern. Österreich beteiligt sich mit rund 170 Soldatinnen und Soldaten an der UNIFIL-Mission. Auch auf den Golanhöhen operieren UN-Friedenstruppen im Rahmen einer Beobachtermission (UNDOF). Eine  Pufferzone  trennt dort seit 1974 israelische und syrische Truppen. Österreich beendete 2013 seine Teilnahme an der UNDOF-Mission. Die Karte zeigt die   UN-Standorte und   UN-Beobachtungsposten im Südlibanon und am Golan.

Bodenoffensive im Libanon

Anfang Oktober 2024 starten die israelischen Streitkräfte nach den vorbereitenden Bombardements eine  Bodenoffensive im Libanon.  Die Israelis rücken dabei im  Operationsgebiet der UNO-Blauhelme  gegen Hisbollah-Positionen vor. Im Zuge der Offensive geraten die UNO-Blauhelme auch wiederholt unter Beschuss. Fünf von ihnen werden bis 29. Oktober 2024 verletzt. Die meisten Angriffe werden den israelischen Truppen zugeschrieben. Am 29. Oktober kommen erstmals auch österreichische Blauhelme zu Schaden: Acht Soldaten werden bei einem Raketenangriff unklarer Herkunft leicht verletzt.
Während  Israels Armee  im Libanon weiter vorrückt, fliehen im Lichte des zugespitzten Konflikts bis Mitte November 2024 etwa 540.000 Menschen ins benachbarte Bürgerkriegsland Syrien. Am 27. November 2024 tritt schließlich zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz eine Waffenruhe in Kraft. Der Vereinbarung zufolge solle die libanesische Armee im Südlibanon die Kontrolle übernehmen. Laut UNOCHA sind indes bis 27. Jänner 2025 rund 874.000 Libanesen wieder in ihre Städte und Dörfer zurückgekehrt.

Israel dringt in Syrien ein

Stand Februar 2025 hat sich Israel zwar weitgehend aus dem Libanon zurückgezogen, unterhält im Grenzgebiet aber noch Militärposten auf libanesischem Territorium und beschießt Hisbollah-Stellungen. Schon im Dezember 2024 sind  israelische Streitkräfte  unterdessen nach dem Machtwechsel in Syrien in die  UN-Pufferzone  auf den Golanhöhen eingedrungen und von dort aus an mehreren Stellen weiter nach Syrien vorgerückt. Israels Luftwaffe fliegt immer wieder Luftangriffe auf militärische Infrastruktur im Land, Anfang Mai 2025 auch auf Ziele nahe des Präsidentenpalasts in Damaskus. Nach Angaben Israels gehe es dabei um den Schutz der drusischen Minderheit.

Iran-Krieg bringt erneute Eskalation

Mit Beginn des Krieges von Israel und USA gegen den Iran am 28. Februar 2026 eskaliert auch der Konflikt zwischen Israel und der vom Iran finanzierten Hisbollah zu einem erneuten Krieg. Die Miliz feuert seither immer wieder  Raketen und Drohnen gegen Israel, während die israelischen Streitkräfte die Hisbollah  im Libanon beschießen. Die libanesischen Behörden melden mehr als 1200 Todesopfer, mehr als eine Million Menschen sind nach UN-Angaben vertrieben worden.

Die Karte zeigt die vom Institute for the Study of War lokalisierten israelischen Bombardements sowie den Beschuss Israels durch die Hisbollah jeweils von 1. bis 25. März 2026.

Wieder israelische Truppen im Libanon

Auch mit Bodentruppen  rückt Israel  erneut auf libanesisches Territorium vor, wie die Karte mit Stand 26. März 2026 zeigt. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz kündigt an, man wolle im Südlibanon die Kontrolle über das Gebiet bis zum Litani-Fluss übernehmen, nachdem Bemühungen der libanesischen Regierung um eine Entwaffnung der Hisbollah gescheitert seien. Auch im Zuge der neuen Kämpfe kommen UN-Soldaten zu Schaden. Anfang März werden zwei ghanaische Blauhelme schwer verletzt, offenbar nach israelischen Angriffen. Ende März werden innerhalb von 24 Stunden drei indonesische UNIFIL-Soldaten durch Explosionen unbekannter Ursache getötet und drei weitere zum Teil schwer verletzt.

Machtverhältnisse im Nahen Osten

Dazu ein Blick auf die Machtverhältnisse im Nahen Osten: Vereinfacht gesagt, sind die Länder in der Region entweder  Verbündete der USA  (und stehen Israel – abgesehen von Kuwait – neutral bis freundschaftlich gegenüber) oder aber  Verbündete des Iran,  der Israel als Erzfeind betrachtet und mit Vernichtung droht. So war etwa Syriens gestürzter Machthaber Baschar al-Assad mit dem Iran verbündet. Im Irak gibt es Beziehungen zu beiden Machtpolen. Gruppierungen wie die Hamas, Hisbollah oder die Huthi-Rebellen im Jemen werden vom Iran finanziell unterstützt und gegen Israel in Stellung gebracht.

Die Eskalation der Beziehungen zwischen Israel und den Palästinensern ab dem 7. Oktober 2023 erfolgte nicht im luftleeren Raum: Nach Gewaltausbrüchen 2021 und 2022 kam es auch 2023 schon zu palästinensischen Anschlägen, israelischen Militäraktionen und Zusammenstößen mit Toten auf beiden Seiten. Im Dezember 2022 war in Israel die bisher religiöseste und rechteste Regierung angelobt worden. Anfang Jänner 2023 besuchte der rechtsextreme Minister Itamar Ben-Gvir den Tempelberg. Eine Provokation für die Palästinenser, die frappierend an den Besuch Ariel Scharons im Jahr 2000 erinnert, der damit einen bewaffneten Aufstand der Palästinenser (Zweite Intifada) auslöste.

Von Beginn der Zweiten Intifada im September 2000 bis zum Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 kamen im Zuge des Konflikts laut dem Israeli Information Center for Human Rights (B'Tselem) 11.439 Palästinenser und 1330 Israelis ums Leben.

Von 1948 bis 2000 forderte der Konflikt ebenso Tausende Tote – genaue und verlässliche Opferzahlen gibt es für diese Zeit nicht.

Zusammenstellung: Jonas Binder

Karten: Silke Ulrich, Eva Wabscheg, Fatima Al Masodi

Quellen: Der Nahost-Konflikt: Eine Einführung (Margret Johannsen, 2017); Der Nahostkonflikt: Eine Einführung (Martin Pabst, 2018); Der Nahost-Konflikt (Klaus Gerd Steen, 2007); Bundeszentrale für politische Bildung Deutschland; Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg; APA; dpa; UN/UNOCHA; B'Tselem; AP; Washington Post; Reuters.

Kartenquellen: APA; Encyclopædia Britannica; AlJazeera, Library of Congress/Sami Hadawi (Reprod. Palestine Survey Maps); Margret Johannsen/PASSIA, Mideastweb; UN/UNOCHA; APA/peacenow.org.il; APA/dpa, ISW, CNN, NYTimes; APA/BBC, Wall Street Journal, Institute for the Study of War und AEI's Critical Threats Project; B'Tselem; The Washington Institute for Near East Policy; BBC/CUNY Graduate Center; Oregon State University; Le Monde; liveuamap.com, Weißes Haus.

Inspiriert von dem Dossier „How the political maps of Israel and Palestine have changed“ der NZZ.