Unser Guide zum

Von Oliver Geyer und Christian Ude

Vom Concours Eurovision de la Chanson, der 1956 in der Schweiz aus der Taufe gehoben wurde, hat sich der ursprüngliche Wettbewerb für Komponisten und Autoren zur verrückten Mega-Show entwickelt, die auch in Australien und in den USA viele Fans hat. Und im Herbst zum ersten Mal in einer asiatischen Adaption ausgetragen wird.

Einige Regeln beim Song Contest 2026 sind trotzdem gleichgeblieben. Österreichs Hoffnung Cosmó ging beim ersten öffentlichen Vorentscheid des ORF seit 2016 als Sieger gegen elf Konkurrenten hervor. Den Song „Tanzschein“ hat der Burgenländer mitgeschrieben, zugelost wurde ihm der 25. und somit letzte Startplatz im Finale am 16. Mai! „Das sehe ich als gutes Omen. Und irgendwie finde ich es auch schön, dass das Gastgeberland den Abend abschließt“, sagt Cosmó.

Tauchen wir ein in die wunderbare und schillernde Welt des ESC!

Wien im Rampenlicht

Wien freut sich, im 70. Jubiläumsjahr des Song Contests Gastgeber zu sein. Der Eurovision Song Contest 2026 findet in der Wiener Stadthalle statt, die pro ESC-Show Platz für rund 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauer bietet. Die Vorbereitungen für das Mega-Event waren enorm – kein Wunder, denn die Austragung des ESC verschlingt beinahe 36 Millionen Euro. Vom ORF selbst kommen knapp 20 Millionen Euro, die restliche Summe wird von der EBU, Sponsoren und der Stadt Wien bestritten. Neben Technik, Bühnenbau und Sicherheitsmaßnahmen ist auch ein riesiger organisatorischer Aufwand notwendig.

Wien freut sich, im 70. Jubiläumsjahr des Song Contests Gastgeber zu sein. Der Eurovision Song Contest 2026 findet in der Wiener Stadthalle statt, die pro ESC-Show Platz für rund 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauer bietet. Die Vorbereitungen für das Mega-Event waren enorm – kein Wunder, denn die Austragung des ESC verschlingt beinahe 36 Millionen Euro. Vom ORF selbst kommen knapp 20 Millionen Euro, die restliche Summe wird von der EBU, Sponsoren und der Stadt Wien bestritten. Neben Technik, Bühnenbau und Sicherheitsmaßnahmen ist auch ein riesiger organisatorischer Aufwand notwendig.

Für die Moderation hat man ein prominentes Duo gewonnen: Victoria Swarovski und Michael Ostrowski führen gemeinsam durch die Shows.

Für die Moderation hat man ein prominentes Duo gewonnen: Victoria Swarovski und Michael Ostrowski führen gemeinsam durch die Shows.

Die Veranstaltung auf dem türkisen Teppich am 10. Mai markiert den offiziellen Auftakt der Eurovision-Woche in Wien und ist der einzige Moment, in dem alle 35 Delegationen gemeinsam auftreten.

Die Veranstaltung auf dem türkisen Teppich am 10. Mai markiert den offiziellen Auftakt der Eurovision-Woche in Wien und ist der einzige Moment, in dem alle 35 Delegationen gemeinsam auftreten.

Vom 11. bis 16. Mai verwandelt sich der PraterDOME in den offiziellen EuroClub – den abendlichen Treffpunkt für Fans und Künstler.

Vom 11. bis 16. Mai verwandelt sich der PraterDOME in den offiziellen EuroClub – den abendlichen Treffpunkt für Fans und Künstler.

Was ist 2026 neu?

Die EBU hat ein Reglement-Update erlassen. Es soll den ESC „fairer“ machen.

Die EBU hat ein Reglement-Update erlassen. Es soll den ESC „fairer“ machen.

  • Televoting: Der Zuschauer bzw. die Zuschauerin daheim kann pro Beitrag nur mehr 10 statt bisher 20 Stimmen verteilen.
  • Die Jurys stimmen in den Semifinali wieder mit. In den vergangenen Jahren hatte in den beiden Halbfinali nur das Publikum entschieden. Jetzt wird die Entscheidung wieder 50/50 von den Jurys und dem Publikum getroffen.
  • Jury-Wertung & Verjüngung: Die Jurys werden vergrößert - und zwar von fünf auf sieben Musikexperten pro Land. Zwei Jury-Mitglieder müssen außerdem unter 25 Jahre alt sein.
  • Es gibt klare Regeln für Online-Werbung im Vorfeld des Song Contests. Damit sollen intensive oder politisch motivierte Promo-Kampagnen verhindert werden. Regierungen etwa dürfen das Eurovision-Voting nicht beeinflussen und Geld in Online-Werbung stecken.

Die Teilnehmer

Insgesamt nehmen 2026 35 Länder am ESC 2026 teil – das ist zwar eine beachtliche Zahl, aber kein Rekord. Der bisherige Höchststand wurde 2016 mit 43 teilnehmenden Ländern erreicht. Dennoch verspricht auch der diesjährige Wettbewerb wieder eine spektakuläre Show mit großer internationaler Aufmerksamkeit.

10 Regeln für das Wettsingen

Das Mindestalter der Interpreten ist 16 Jahre. Das hat man nach dem Sieg von Sandra Kim 1986 für Belgien eingeführt. Sie war damals erst 13. Man wollte keinen Kinderwettbewerb.

Die Länge eines Liedes darf maximal drei Minuten betragen. Das kürzeste Lied in der Geschichte des Wettbewerbs war der finnische Beitrag Aina Mun Pitää mit nur einer Minute und 27 Sekunden

Es dürfen pro Land höchstens sechs Personen auf der Bühne stehen. Tiere sind nicht erlaubt

Die Fachjury besteht in jedem Teilnehmerland aus fünf Experten, ihre Zusammensetzung sollte hinsichtlich Alter und Geschlecht ausgewogen sein. Diese Jury trifft ihre Entscheidung bereits während der zweiten Generalprobe („Juryfinale“), die sie im eigenen Land am Bildschirm verfolgt.

Einen garantierten Startplatz im Finale haben die größten EBU-Geldgeber (genannt Big Five: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien) sowie das Gastgeberland.

Musik und Backgroundchöre sind nicht mehr live, aber der Hauptgesang (Leadvocal) muss live sein. 1998 beschloss man, auf das Orchester zu verzichten und stattdessen die Halbplaybacktechnik einzusetzen.

Die Sprache des Beitrags kann jedes Teilnehmerland frei wählen. So hatte Österreich 2016 einen französischen Titel. Seit 1999 darf jeder in der Sprache singen, in der er mag, zuvor war die Landessprache Pflicht.

Texte, Ansprachen und Gesten politischer Natur sind in der Show untersagt. Im Reglement heißt es: Der ESC ist eine unpolitische Veranstaltung.

Sollte einmal Australien gewinnen (seit 2015 in Wien dabei), würde der nächste ESC nicht dort stattfinden, sondern in einer europäischen Stadt.

Punktegleichstand: Da gewinnt der Song, der mehr Punkte beim Televoting lukrieren konnte. Das war 1969 nicht so: Da gab es vier Sieger!

Österreichische
Tops und Flops

Drei bisherige Sieger

Österreich hat den Eurovision Song Contest bisher dreimal gewonnen. Der erste Sieg gelang 1966 mit dem Komponisten Udo Jürgens und seinem Lied „Merci, Chérie“. Der Kärntner war bereits zweimal zuvor angetreten („Warum nur, warum“ und „Sag ihr, ich lass sie grüßen“), bevor ihm schließlich der Triumph gelang.

Der zweite Gold-Moment folgte fast 50 Jahre später: Conchita Wurst – die Kunstfigur von Thomas Neuwirth – gewann 2014 mit dem Titel „Rise Like a Phoenix“ in Kopenhagen. Mit eindrucksvoller Stimme und einer Botschaft für Toleranz und Gleichberechtigung sorgte Conchita international für großes Aufsehen (bis nach Russland) und wurde zur Ikone der LGBTQ+-Bewegung.

Countertenor Johannes Pietsch alias JJ gewann mit „Wasted Love“ 2025 mit einer Schwarz-Weiß-Inszenierung in Basel – obwohl er beim Televoting nur Vierter wurde, reichten die Punkte aus dem Jury-Voting (Platz eins) für den Sieg. JJ verband Oper, Pop und Techno.

Die Flops

Österreich hatte beim Eurovision Song Contest nicht nur Erfolge, sondern auch bittere Niederlagen. Thomas Forstner landete 1991 mit „Venedig im Regen“ auf dem letzten Platz mit null Punkten. Auch Wilfried (1988), Anita (1984) und Eleonore Schwarz (1962) konnten mit ihren Liedern kaum überzeugen. Besonders auffällig war das Aus der Trackshittaz 2012 – sie scheiterten mit „Woki mit deim Popo“ bereits im Halbfinale. Aber etwa auch Paenda und Vincent Bueno blieben im Halbfinale stecken.

Erfolge, Pleiten, Missverständnisse

Sieben Mal gewannen Irland und Schweden den Wettbewerb und sind damit die erfolgreichsten Teilnehmer, gefolgt von Großbritannien, Frankreich und Luxemburg (jeweils 5 Siege).  Die Franzosen warten schon seit 1977 auf einen neuerlichen Sieg, die Luxemburger seit 1983.

Elf Mal wurde Norwegen Letzter und hält damit den Negativrekord vor Belgien (10), Finnland (9), Deutschland (8) und Österreich (7).

Der Eurovision Song Contest ist kein „European“ Contest. Das wird oft missverstanden. Alle Länder, die aktives Mitglied der Europäischen Rundfunkunion sind, dürfen teilnehmen. Deshalb zählen zum Beispiel auch Israel und Armenien zu den Teilnehmern.

Startnummer 17 hat die besten Chancen zu gewinnen. Statistisch gesehen. Die letzten Startplätze sind jedenfalls beliebt. Lena startete 2010 auf Platz 22, Jamala ging im Jahr 2017 als 21. an den Start, Netta war 2018 als 22. dran und die Band Måneskin startete 2019 auf Platz 24.

Das Balkendiagramm zeigt die Top 10 Länder mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auf einen Sieg beim Eurovision Song Contest 2026 laut Wettquoten. Finnland liegt mit 31 % deutlich vorne, gefolgt von Frankreich mit 11 % und Dänemark mit 10 %. Österreich hat eine Gewinnchance von unter 1 %. Quelle: eurovisionworld.com.

Cosmó
startet für
Österreich

Der erst 19-jährige Benjamin Gedeon – alias Cosmó – vertritt Österreich beim 70. Eurovision Song Contest von Wien. Der Wiener setzte sich in der ORF-Show „Vienna Calling“ gegen elf Konkurrenten durch. Mit der Elektro-Tanznummer „Tanzschein“ wird Cosmó nun die rot-weiß-rote Fahne im großen Finale des größten Musikbewerbs am 16. Mai in der Wiener Stadthalle tragen.

„Ich bin halt generell ein ruhiger Typ.
Jetzt gerade bin ich nicht auf der Bühne, dort bin ich hyperaktiv.“
Benjamin Gedeon - alias Cosmó

Gitarrist Sandro Humitsch und Cosmó auf Besuch bei der Kleinen Zeitung

Gitarrist Sandro Humitsch und Cosmó auf Besuch bei der Kleinen Zeitung

„Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt der 19-jährige Cosmó, der mit bürgerlichem Namen Benjamin Gedeon heißt und ein gebürtiger Ungar ist. Cosmó besuchte die Redaktionen der Kleinen Zeitung in Graz und Klagenfurt mit seinem Manager und Gitarristen Sandro Humitsch (24), der übrigens ein Steirer ist. Dabei erzählte Cosmó davon, dass sich irgendwie noch alles wie in einem Film anfühlt: Vor allem dann, wenn er aus den Bars seinen Gute-Laune-Song „Tanzschein“ dröhnen hört. „Unser Ziel ist es, mit dem Song und dem Tanz die Menschen zusammenzubringen.“ Und das passiert auch: ganze Familien oder Schulklassen tanzen zu seinem Song, der davon erzählt, dass man eben ohne „Tanzschein“ nicht in Clubs gelassen werden soll.

Sein Song „Tanzschein“
Thematisch angesiedelt zwischen Rian und Bilderbuch. Damit wird Cosmó nun im Finale am 16. Mai in der Wiener Stadthalle auflaufen – hat Österreich doch nach dem Sieg von JJ in Basel 2025 mit „Wasted Love“ als Gastgeberland einen Fixplatz und muss mit 24 weiteren Nationen um den Titel kämpfen. „Ich habe den Song für meine Mama geschrieben“, verriet Cosmó nach der Verkündung des Ergebnisses. Und er habe mit der Frau Mutter auch schon dazu in der heimischen Küche getanzt. Das sollte also ein gutes Omen sein.

Cosmo war bei uns in der Redaktion zu Besuch und hat uns einen Merkspruch gezeigt, mit dem man einfach die Choreografie von seinem Lied „Tanzschein“ lernen kann.

Der Weg ins Finale

Bevor ein Land im Finale des Eurovision Song Contest steht, muss es sich meist durch ein Halbfinale qualifizieren. Insgesamt gibt es zwei Halbfinalshows, in denen jeweils zehn Länder weiterkommen. Nur die sogenannten „Big Five“ (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich) sowie das Gastgeberland sind automatisch im Finale. Die Startplätze werden durch Auslosungen und die Showregie bestimmt. Über das Weiterkommen entscheiden Publikumsvoting und eine Jurywertung – jeweils zu 50 Prozent. Wer überzeugt, steht schließlich im großen Finale vor einem Millionenpublikum.

Die Infografik zeigt die Auslosung der Halbfinals für den Eurovision Song Contest 2026 in Wien. Das erste Halbfinale findet am 12. Mai, das zweite am 14. Mai statt. Die teilnehmenden Länder sind auf beide Halbfinals und jeweils zwei Hälften verteilt. Deutschland, Italien, Frankreich, das Vereinigte Königreich und das Gastgeberland Österreich sind direkt für das Finale am 16. Mai qualifiziert. Quelle: APA.

Zeit für ein Quiz

Fotos: Wiener Stadthalle/David Bohmann, Stadt Wien Marketing (2), Markus Traussnig, Imago (14), AdobeStock (9), ZOOMMVP.AT (2), AFP, EPU (2)

Fotos Kandidaten: Robert Koloyan, Carlotta Moye, ORF, James Barbosa, Vasil Germanov, Dario Njavro, Hana Knizova, Nikolaj Thaning Rentzmann, Virge Viertek, Nelli Kenttä, Thomas Braut / France TV, Marcel Brell, Nikos Stolis, Shai Franco, Ken Mürk, APA, EBU, Ralfs Cimermanis, Massen Photography, Marko Tošković, Fredrik Hovdevik / Warner Music Norway, Daria Irena, Cátia Figueiredo, Vanda Bienville, Panini S.p.A. / Mary Stuart, Nataša Stamatović, Ninja Hanna, SRF / Nils Sandmeier, BBC / Michael Leckie, KK (9)

Videos: Adobe Firefly

Titelvideo: 3D-Rekonstruktion auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen; fotorealistische Ausgestaltung und Animation mittels, kommerziell sicheren, KI-gestützten Verfahren. Redaktionelle Illustration – keine offizielle Darstellung der Veranstalter.