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So haben wir den Krebs besiegt

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Betroffene berichten

Gerlinde Fabian stellte sich dem Kampf gegen den Brustkrebs und überstand ihr "letztes Abenteuer" mit viel Optimismus. Manuela Melbinger lernte ihren Krebs, ein Lymphom, anzunehmen und empfindet die Zeit der Erkrankung als eine der wertvollsten ihres Lebens.
Das sind nur zwei Geschichten von Krebs-Patienten, die ihre Krankheit überwunden haben.

Erzählen auch Sie uns, wie Sie mit der Diagnose Krebs umgegangen sind - und machen Sie damit anderen Betroffenen Mut. Schicken Sie uns Ihre Geschichte und ein Foto und Sie finden sich bald selbst auf diesem Blog.
E-Mail an: sonja.saurugger@kleinezeitung.at
 
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Wie Abenteuer ausgehen, weiß man im Voraus nie - deshalb nennt man sie auch so. Nur das Abenteuer „Leben“ endet sicher mit dem Tod, es ist nur eine Frage der Zeit, wann dieses Ereignis eintritt. Ich war immer begierig, Dinge zu erleben, die vom täglichen Einerlei abgewichen sind. Ich wollte immer etwas Neues entdecken. Auf mein letztes Abenteuer hätte ich allerdings verzichten können. Ich bekam die Diagnose Brustkrebs.

Natürlich war es ein Schock für mich. Ich ging regelmäßig zur Mammografie und als ich 75 Jahre alt geworden bin, habe ich den Radiologen gefragt, ob ich in meinem Alter weiterhin diese Untersuchung in Anspruch nehmen muss. Seine Antwort war, dass er gerade jetzt einen kleinen Tumor entdeckt hatte, der abgeklärt werden sollte. Die Gewebsentnahme brachte die Gewissheit und er wollte mich sofort zur Operation zu einem Chirurgen schicken.

Ich erklärte ihm, dass ich auf jeden Fall zuerst meinen gebuchten Badeurlaub konsumieren wollte. Dies passte ihm gar nicht. Ich genoss diese 14 Tage sehr intensiv, da ich dachte, dass dies mein letzter Urlaub sein würde und ich verabschiedete mich vom wunderbaren Meer. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass ich ja bereits ein langes, schönes und zufriedenes Leben hinter mir hatte und irgendwann muss eben alles aus sein.

Trotzdem wollte ich kämpfen, den Dämon in mir besiegen und dieses herausfordernde Abenteuer überstehen.

Nach Hause zurückgekommen, kam ich unters Messer. Der Arzt erklärte mir, dass der Tumor zwar klein, aber sehr aggressiv war und bereits die Lymphknoten im Achselbereich angegriffen hatte. Ich müsste sowohl eine langwierige Chemotherapie als auch eine Strahlentherapie mitmachen. Ich ließ mich voll auf meine umfangreichen Behandlungen ein.

Weil der Onkologe mir totalen Haarausfall prophezeite, schaffte ich mir eine Perücke an, um meine Umgebung nicht mit Glatze zu schockieren. Dieser neue Look stand mir sehr gut und ich bekam anerkennende Worte über mein Aussehen. Das tat meiner doch angegriffenen Seele gut. Auch die weiteren Folgeerscheinungen der Chemo wie Übelkeit, Mattigkeit und plötzlich auftretende Schmerzen irgendwo im Körper bekämpfte ich tapfer.

Bei der anschließenden Strahlentherapie musste ich 32 Mal für einige Zeit ins Krankenhaus. Einige Hautverbrennungen habe ich schon bekommen, aber die wurden mit Spezialsalben behandelt. Gierig verfolgte ich meinen Haarwuchs, der zwei Monate nach Ende der Chemo zu sprießen begann. Dafür bekam ich einen wunderschönen Lockenkopf. Jetzt muss ich täglich Hormontabletten schlucken.

Nunmehr sind mehr als sechs Jahre seit meiner Erkrankung vergangen, die Ärzte haben mich für gesund erklärt. Ich muss allerdings immer noch Kontrolluntersuchungen machen lassen, die Gott sei Dank in Ordnung sind.

So habe ich mit viel Optimismus mein letztes Abenteuer überstanden und bin mit meinen 82 Jahren immer noch gut drauf.
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Mein Name ist Manuela Melbinger, ich bin 49 Jahre jung, verheiratet, habe zwei liebenswerte Kinder und bin Religionslehrerin aus Leidenschaft. Als ich voriges Jahr im Juni erfuhr, dass ich Krebs habe, fiel ich aus allen Wolken.

„Ich, die großen Wert auf gesunde Ernährung legt, regelmäßig Sport betreibt und rundum ein glückliches und zufriedenes Leben hat, soll Krebs haben?“

Ein Follikuläres Lymphom - diese Diagnose war wirklich erschütternd für mich. Aber ich wusste auch, dass diese Krankheit eine Botschaft für mich hat. Da ich mich nun schulmedizinisch und auch homöopathisch bestens versorgt wusste, wollte ich „dahinter“ schauen.

Eine liebe Freundin, die Energetikerin ist, half mir ganz besonders bei meinem Heilungsprozess. Sie sagte mir, ich solle die Krankheit annehmen und dankbar dafür sein. Dankbar sein für eine Krankheit – ein eigenartiger Gedanke! Doch ich begann zu überlegen, wofür ich in dieser Situation dankbar sein kann.

Zuerst sah ich, dass mein Leben total entschleunigt wurde. Bei jeder kleinen Anstrengung war ich sofort außer Atem. Viele Dinge wurden ab sofort langsamer gemacht oder mir wurde geholfen. Ein ganz neues Lebensgefühl entstand. Dafür war ich dankbar. Nun hatte ich viel Zeit zum Lesen. Das wünschte ich mir schon immer.

Ich war dankbar, dass mein lieber Mann anfangs bei jeder Untersuchung und vor allem, als ich die Diagnose erhielt, an meiner Seite war. Er bekam jederzeit von der Firma frei. Dafür war ich sehr dankbar. Zu dieser Zeit hatte unser Sohn bereits die Matura und unsere Tochter hatte alle Tests und Schularbeiten hinter sich. Gott sei Dank – so waren sie beim Lernen nicht abgelenkt.

Besonders viel Kraft gaben mir die vielen Anrufe und SMS, die ich erhielt. Viele liebe Menschen schenkten mir ihr Mitgefühl. Für alle meine Freunde und Freundinnen, für meine Kolleginnen, für meine lieben Verwandten und Bekannten, für all meine Wegbegleiter/innen und für alle, die für mich gebetet haben, für alle bin ich sehr, sehr dankbar.

Ich hatte nie wirklich Schmerzen, konnte mich immer bewegen, spazieren gehen, am Balkon sitzen und die Natur genießen… und noch vieles mehr. Die Dankbarkeitsliste lässt sich unendlich lange weiterführen. 

Im Sommer saß ich oft auf der Terrasse und habe gelesen und mich mit dem göttlichen Licht der Sonne umhüllt. Jedes Mal zwitscherten die Vögel ihr schönstes Lied für mich und ich musste oft an die Bibelworte denken: „Seht die Vögel des Himmels, sie säen nicht und ernten nicht, doch Gott, unser himmlischer Vater, nährt sie.“

„Wenn Gott schon so gut auf die Vögel schaut, wie sehr schaut er dann wohl auf mich,“ kam es mir immer wieder in den Sinn. So war ich stets in der Fülle und im Vertrauen, dass alles gut ist, so wie es ist.

Als ich dann im Spätherbst erfuhr, dass das Lymphom im Knochenmark nicht mehr nachweisbar ist, war es für mich wie ein Wunder. Ich war und bin geheilt. Ich bin noch nicht voll belastbar, aber mit jedem Tag fühle ich mich stärker und meine Kräfte kommen allmählich zurück.
Rückblickend kann ich sagen, dass diese Zeit zur wertvollsten meines Lebens gehört und für diese Zeit bin ich unendlich dankbar. Ich habe erfahren dürfen und darf es immer noch erfahren, wie kostbar und lebenswert dieses Leben hier auf Erden ist, denn jeder Tag ist ein Geschenk.
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Anfang Jänner 2013 kam ich eines Abends allein in meiner Küche zu Sturz und verlor das Bewusstsein. Da ich erst einige Stunden später ziemlich verwirrt und mit einer stark blutenden Wunde an der Stirn wieder zu mir kam, suchte ich am nächsten Tag das UKH Graz auf, wo mittels Schädel-CT und –MR festgestellt wurde, dass ich aufgrund eines Hirntumors einen epileptischen Anfall erlitten hatte.

Die Nachricht über diese Diagnose war für meine Familie (vor allem für meine Tochter – ich bin Alleinerzieherin) und meine Freunde viel schockierender als für mich, hatte ich doch schon längere Zeit davor immer wieder das unerklärliche Gefühl gehabt, dass in meinem Leben eine Veränderung eintreten würde - und auch sollte.

Ein Operationstermin in der Neurochirurgie am LKH Graz wurde vereinbart, und da ich davor weder nach Hause konnte noch wollte, verbrachte ich die Wartezeit im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz-Eggenberg mit zahlreichen Untersuchungen und Therapien, aber auch vielen schlaflosen Nächten, in denen ich Musik hörte und meine “Memoiren“ zu Papier brachte.

Seltsamerweise hatte ich kaum jemals ein Gefühl der Angst, ja, manchmal war ich es sogar, die meine Angehörigen tröstete und sie zuversichtlich zu stimmen versuchte! Einzig meine starke Vergesslichkeit machte mir Sorgen, und ich dachte des Öfteren, dass ich lieber sterben würde als mein Denken und meine Sprache zu verlieren oder - in Anbetracht meiner Leidenschaft für Musik und Tanz – völlig bewegungsunfähig oder gehörlos zu werden.

Bei meiner folgenden sechs- bis siebenstündigen Kopfoperation wurde der eher ungünstig gelegene Tumor dank großartiger ÄrztInnen zur Gänze entfernt. Die Gewebeproben ergaben dann, dass die Zellen doch zu einem erheblichen Teil bösartig gewesen waren - aber was machte das schon? Ich war den Tumor los, mein Gedächtnis funktionierte wieder, meine Schwäche- und Schwindelzustände legten sich, mein Gehör war intakt geblieben, und sogar mein aufgrund einer angeborenen Sehstörung ohnehin stark eingeschränktes Sehvermögen hatte sich nicht weiter verschlechtert!

Auch waren weder eine Strahlen- noch eine Chemotherapie nötig, und mein Haar, welches für die Operation ziemlich radikal und unvorteilhaft geschnitten worden war, begann bald wieder nachzuwachsen. Als ich nach einem sehr aufbauenden fünfwöchigen Aufenthalt in einer Reha-Klinik im Juni 2013 wieder - vorerst nur halbtags - zu arbeiten begann, konnte ich längst wieder tanzen, meinen sonstigen Hobbys nachgehen und fühlte mich auch sonst fast wie ein „neuer“ Mensch.

Ich hatte endlich erkannt, welch liebevolle Angehörige und Freunde ich hatte, wie sehr ich meine Arbeit als Behindertenberaterin eigentlich mochte - wie gern ich lebte! Sogar die Beziehung zu meinem geschiedenen Mann, der auch der Vater meiner Tochter ist, war nach vielen Jahren endlich wieder ganz entspannt und freundschaftlich geworden.

Nun muss ich mittlerweile nur noch alle sechs Monate zu Kontrolluntersuchungen ins LKH und vorsichtshalber noch Antiepileptika einnehmen, aber ich führe ein weitaus besseres, dankbareres und bewussteres Leben als je zuvor. Freilich ist mir bewusst, dass mein Tumor jederzeit „zurückkehren“ kann, aber das macht mir keine Angst; lieber ist mir ein vielleicht nur noch kurzes, aber gutes und sinnvolles Leben als ein langes ohne Qualität und Lebensfreude.  
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Im Jahr 2008 ging ich zu meinem Gynäkologen zur Untersuchung, um meine Schwangerschaft zu bestätigen. Er lud mich kurz darauf in seine Praxis zur Besprechung ein und eröffnete mir: "Ich habe zwei Nachrichten, eine gute und eine schlechte: Sie sind schwanger, und Sie haben ein Oberflächenkarzinom am Gebärmutterhals".

Was für eine Ironie des Schicksals! Schwanger sein und Krebs haben, nicht rauchen, kaum Alkohol trinken, alles in Bio essen und Naturkosmetik verwenden...
In der 15. Schwangerschaftswoche wurde das Karzinom entfernt, dem Baby ging es gut, es kam gesund zu Welt und ist heute sechs Jahre alt, ich gelte als geheilt.

Meine Tochter hat mir sozusagen das Leben gerettet - ohne die Vermutung schwanger zu sein, wäre das Karzinom viel später - vielleicht zu spät - erkannt worden.

Geblieben sind mir die Dankbarkeit für das Leben und das Bewusstsein, wie schnell es ohne eigenes Verschulden vorbei sein kann - und neben der fachlichen auch die emotionale Kompetenz in der Psychotherapie, KlientInnen in herausfordernden Lebensabschnitten empathisch und stärkend begleiten zu können.

Diese Grenzerfahrung gehört zu meinem Leben dazu, ich wäre nicht die, die ich heute bin.
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Nach der Diagnose gab es eine kurze schlimme Zeit, in der alles ungewiss war. Doch sobald ich konkret gewusst habe, welche Therapie es wird, hat mich ein Gedanke bestimmt: Gehen wir es an.

Im Kampf gegen den Krebs kamen mir zwei Charaktereigenschaften zugute: Neugier und Trotz. Durch meine Neugier war ich gespannt darauf, was mit mir passiert. Und durch meine Trotzigkeit wusste ich: Ich lass mich nicht auf den Boden schmeißen. Humor trotzt Tumor, eben.

Ich hatte zwei Optionen: Ich hätte den Tumor herausschneiden lassen können, was bedeutet hätte, dass ich nie wieder normal schlucken oder sprechen hätte können. Oder ich konnte es mit der Chemotherapie probieren – dafür entschied ich mich dann auch.

Ich hatte das große Glück, klasse Menschen um mich zu haben: Neben zwei hervorragenden Ärzten, war es vor allem meine Familie, die mich unterstützte. Meine Frau hat mir alles vom Leib gehalten, und daher habe ich mich in der Zeit der Therapie sogar sehr wohl gefühlt. Ich musste nicht auf alles reagieren und sah: Die Welt dreht sich auch weiter, wenn ich nicht ständig verfügbar bin.

Während der Therapie habe ich mich sehr zurückgezogen: Ich konnte nicht essen, wurde über eine Magensonde ernährt, auch das Sprechen war beschwerlich. Körperlich war ich ein Wrack. Doch im Kopf war ich zuversichtlich, denn ich hatte das Ziel vor Augen, gesund zu werden. Ich habe auch nicht mit der Krankheit gehadert, habe nicht gedacht: Warum ich? Es ist eine Wahrscheinlichkeitsrechnung und es hat mich getroffen.

Die Idee, ein humorvolles Buch über den Krebs zu schreiben, kam mir wie ein Blitz im Krankenhaus. Ich habe gedacht: Jetzt hast du die eigenartige Freiheit, witzig über Krebs zu schreiben, denn du hast ihn ja selbst gehabt. Aus den Ritualen im Krankenhaus haben sich die lustigen Geschichten für das Buch "Der humorvolle Krebs" ganz von allein ergeben. Und durch das Buch konnte ich auch einen Traum verwirklichen, der mich seit meiner Zeit an der Schauspielschule beschäftigt: Ich hatte ein Thema für ein Kabarett und konnte damit auf die Bühne gehen. So habe ich von dieser blöden Krankheit sogar etwas geschenkt bekommen.

Heute achte ich sehr darauf, gesund zu bleiben: Ich ernähre mich gesund, mit viel Obst und gesunden Ölen. Ich achte auf meinen Immunstatus und versorge mich mit Vitaminen und Mineralstoffen. Die Chemotherapie hat natürlich ihre Spuren hinterlassen: Die Taubheit in Füßen und Händen ist geblieben. Aber es gibt auch positive Nebenwirkungen: Unter dem Kinn muss ich mich nicht mehr rasieren.
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Brustkrebs

Im November 2011 bekam ich die Diagnose Brustkrebs. Der Krebs war in meinen Gedanken nie lebensbedrohend, er war und ist mein „Karzi“, der zu mir gehört, aber im Hintergrund zu bleiben hat. Ich hatte vom Augenblick der Diagnose an unglaubliches Glück: Meine Hausärztin, die mich in die Brustambulanz „gejagt“ hat, stand am Beginn vieler wunderbarer Freundschaften, die ich im Zuge meiner Therapien geschlossen habe.

Ein prägender Moment war die Haarschur, als ich feststellen durfte, dass ich auch mit Glatze ein Mensch bin und mich sogar sehr gut damit gefühlt habe. Eine große Unterstützung war und ist der Verein Frauenkrebshilfe, durch den ich mich mit meiner Krankheit und dem bestmöglichen Umgang damit intensiv auseinandersetzte konnte.

Ohne meinen „Karzi“ hätte ich wahrscheinlich nicht den Job bekommen, der mir meine Berufung gezeigt hat und ich hätte vermutlich nicht meine heutige Kondition und Lebensenergie. Laufen war mein Tool, um den Kopf frei zu bekommen. In der Chemotherapie hatte ich mein Leistungshoch, das heute noch meine persönliche Benchmark ist. Das hat mir gezeigt, dass die möglichen Nebenwirkungen nicht zwangsläufig auftreten müssen.

Im Krankenhaus haben mich die Schwestern scherzhaft gefragt, ob ich zur Chemo gelaufen wäre. Ich habe ihnen erst viel später gestanden, dass ich meistens selbst mit dem Fahrrad gekommen bin - einfach, weil ich mich so stark und unbezwingbar gefühlt habe und wissen musste, wo meine Grenzen liegen – und das hab ich mir in mein „Leben danach“ mitgenommen.

Der Krebs nimmt und gibt, er verändert und das bestenfalls zum Positiven. Ich freue mich immer, wenn ich Betroffene auch nach Jahren wieder treffen darf.
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Die Diagnose damals war natürlich ein Schock. 'Wie überlebe ich das?', war mein erster Gedanke. Ich kannte damals niemanden, der den Krebs besiegt hatte und genau deshalb will ich heute anderen Frauen helfen. Heute werden es 13 Jahre, dass ich als krebsfrei gelte. Zehn Jahre lang ging ich zur Nachkontrolle – und wurde mit der Zeit auch immer gelassener vor diesen Untersuchungen.

Im Rückblick auf meine Diagnose kann ich sagen: Der Krebs hat mich bis heute nicht los gelassen. Aber das auch im positiven Sinne: Ich bin der Frauenkrebshilfe aktiv, organisiere Charity-Projekte und gehe regelmäßig zu einer Selbsthilfe-Gruppe in Deutschlandsberg, um mich mit anderen Frauen auszutauschen.

Ohne die Erkrankung Krebs hätte ich das alles nicht gemacht. Und ich mache das sehr gerne, denn ich habe das Gefühl, damit anderen Frauen helfen zu können. Ich hätte mir damals vor 13 Jahren nach meiner Diagnose auch gewünscht, aufgefangen zu werden.

Der Krebs hat mein Leben verändert, auch zum Positiven. Ich habe durch die Erkrankung gelernt, mehr auf mich zu achten, mich selbst wichtig zu nehmen. Ich konzentriere mich heute auf das Wesentliche, achte darauf, dass es mir gutgeht – und nicht nur den anderen. Für mich war die Erkrankung daher nicht nur negativ: Sie hat meinem Leben eine neue Richtung vorgegeben.


 
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Offen gesprochen hat der Krebs mein Leben wirklich auf den Kopf gestellt, aber es sind so viele erfreuliche Dinge davon übrig geblieben, dass es kaum zu glauben ist.

Die Herausforderungen während der primären Behandlung waren groß. Trotzdem war ich gleichzeitig auch glücklich und zufrieden: Ich habe gelernt, dass ich keine Heimat im herkömmlichen Sinn brauche. Ich brauche nicht mehr so viel „Zeug“ um mich herum. Ich fürchte mich nicht mehr vor Veränderung. Ich bin zufriedener. Ich bin viel mehr im Hier und Jetzt. Ich achte mehr auf mich selber als früher. Und ich bemühe mich meine Gedankenwelt in ein fröhliches Licht zu tauchen.

Heute weiß ich dass es für mein Verhalten einen Fachbegriff gibt: Resilienz. Das ist die psychische Widerstandskraft und sie ist dafür verantwortlich, dass Menschen trotz Krisen und Schicksalsschlägen erfolgreich und zufrieden sein können.
Für die Resilienz ist ein Faktor maßgeblich: Es braucht die optimistische Überzeugung, dass man selber die notwendigen Ressourcen hat, um eine schwierige Anforderung bewältigen zu können.

Ein Beispiel für Resilienz ist die Fähigkeit des Stehaufmännchens – in meinem Falle das Steh-Auf-Mädchen. Eine der großen Veränderungen in meinem Leben hängt damit zusammen: Unter dem Namen StehAuf-Mädchen halte ich mit Paar-Therapeutin Doris Jeloucan Vorträge zum Thema Resilienz, posttraumatisches Wachstum und Vorsorge.

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Eine der Aufgaben beim Gesundwerden lautet, zurück zu kehren zu dem was man ist und danach zu leben. Sich selbst zu finden. Den eigenen Weg zu gehen. Authentisch zu sein. Deshalb habe ich mich im Dezember 2013 für eine berufliche Veränderung entschieden.

Bis dahin hatte ich ein Versicherungsmaklerbüro in Graz. Ich verkaufte den Betrieb und startete im Frühjahr mit dem Buchprojekt Kurvenkratzer. Der Kurvenkratzer ist ein Begleitbuch für Angehörige von Brustkrebs-Patienten. Durch das Buch soll man erfahren können, dass es nicht nur unglaublich viele verschiedene Wege gibt, mit der Krankheit umzugehen, sondern dass es auch möglich ist, seinen eigenen guten Weg zu finden.

Daran basteln wir gerade fleißig und durch Spitzenfotograf Christian Jungwirth konnten wir auch hochkarätige Fotografen gewinnen, die je ein Kapitel gestalten wollen. Und das alles für einen Zweck: um das Schweigen zu brechen und Bewusstsein zu schaffen.
Das Projekt Kurvenkratzer ist meine Resilienz. Es ist meine Art zu Kraft zu kommen, meine Möglichkeit aus dem was mir passiert ist, etwas Gutes zu machen und Menschen mit meinem Wissen zu helfen.

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Es gibt die unterschiedlichsten Arten, mit der Diagnose Krebs leben zu lernen. Eine der größten Herausforderungen ist, dass man wieder Vertrauen in den eigenen Körper findet.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich selbst aus der Zeit ist jene, dass niemand einen Anspruch auf ein Morgen hat. Auch ich nicht. Deshalb ist es wichtig, sich auf das Heute zu konzentrieren: das Schöne zu sehen, den Moment zu genießen, seinen Liebsten zu sagen, wie wertvoll sie sind. Und: das Gute in den Menschen zu sehen, zu lernen, zu lachen, die Kleinigkeiten schätzen. Die Dinge tun, die Spaß machen. Entwicklung und Veränderung zulassen. Und vor allem: Glücklich sein.

Mein Weg, um meinem Körper wieder zu vertrauen, war Sport – jedoch nicht nur körperliche sondern auch mentale Fitness. So begann ich beides zu trainieren. Die körperliche Ebene konnte ich durch Ausdauertraining im Fitness-Studio und mit Kitesurfen abdecken. Vor allem durch das Kitesurfen bekam ich die Sicherheit, dass mein Körper sehr viel Kraft hat.
Die mentale Kraft hole ich mir durch die Arbeit mit Achtsamkeitsübungen und Affirmationen.

Achtsamkeitsübungen sind eine gute Methode, um in fordernden Situationen wieder ins Hier und Jetzt zurück zu gelangen oder gar nicht erst abzudriften. Affirmationen sind kurze Botschaften an das Ich und helfen mir, gewisse Dinge in meinem Leben zu verinnerlichen.

Speziell wenn die Angst der Wiedererkrankung aufkommt, manche alte Muster sich in den Alltag schleichen, große Veränderungen von mir verlangt werden oder wenn ich denke, es ist Zeit, mir etwas Gutes zu tun, setze ich mich hin und lese meine Affirmationen. Natürlich spenden mir meine Liebsten, die Natur oder ein prasselndes Lagerfeuer auch entsprechend viel Kraft und Rückhalt.

Leider können andere (Angehörige und Freunde) nur bedingt helfen, wenn es darum geht, gesund zu werden und zu bleiben. Das ist vergleichbar mit einem Toilettenbesuch, den man für jemand anderen erledigen möchte. Der Wille ist da, aber in der Praxis ist es schlichtweg nicht möglich.

Den wichtigsten Teil, um erfolgreich sein zu können, muss man eben selbst erledigen.
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Diagnose – der schwierigste Moment im Leben eines Krebs-Patienten, würden sich viele denken. In meinem Fall war es nicht so: Der größte Wendepunkt in diesem Lebensabschnitt war für mich die erste Chemo. Obwohl ich im Moment nach der Diagnose den Ausgang aus dem Behandlungszimmer nicht finden konnte, haben sich mein Leben und meine Gedanken erst nach der ersten Chemo geändert. Erst dann sind die Zweifel gekommen: Bin ich stark genug? Schaffe ich das? Wie soll der Alltag mit dieser Krankheit aussehen?

Heute glaube ich, dass das vielleicht mit dem körperlichen Zustand zu tun hat: Erst wenn der Körper schwach wird, muss man sich eingestehen, dass sich alles auf einmal ändert. So lang unserer Körper alle Strapazen mitmacht, denken wir selten darüber nach, wie wir ihn unterstützen können.

Nicht Arbeiten zu gehen war eine der spürbarsten Veränderungen, aber ich versuchte mir zu einreden, dass ich die Zeit auch positiv sehen kann. Ich hatte viel Zeit für meine Tochter Elena und sie hat es genossen. Natürlich hat sich das Aussehen auch verändert und das war auch der einzige Punkt, der ihr gezeigt hat, dass mit ihrer Mama etwas anderes ist. Meine Tochter was damals vier Jahre alt.

Ich wollte so wenig wie möglich verändern, denn ich dachte, dass ich dann nachgebe: Den Krebs mein Leben bestimmen lasse. Das Gefühl, dass jemand oder etwas außer mir selbst die Kontrolle über mein Leben hat, war für mich unerträglich. Ich konnte erst mit dieser Diagnose umgehen, als ich mir selber eingestand: Es ist so wie es ist und ich muss das Beste daraus machen. Und vor allem: meinem Körper die nötige Zeit geben sich zu erholen und gegen den Krebs zu kämpfen. Es ist nicht einfach, aber man kann, wenn man das begriffen hat, relativ gut mit dieser Diagnose leben.

Ich hatte Glück in dieser Zeit sehr tolle Erfahrung zu machen und viele nette Leute kennenzulernen, vor allem durch den Dokumentarfilm "Eine von 8", der genau von diese Krankheit handelt. Natürlich ist die Unterstützung der Familie das größte Geschenk, wenn es darum geht, mit dieser Diagnose weiter zu leben. Ich konnte es dank einiger Dinge sehr gut: Ich habe einen sehr coolen Job an der Schlossbergbahn und arbeite am Buch "Kurvenkratzer" mit, das ein Ratgeber für Betroffene wird.

Das Buch und der Film geben mir auch immer wieder das Gefühl, dass man nach der erschreckenden Diagnose Krebs sehr viel bewegen und das Leben wieder selbst in die Hand nehmen kann. Das Leben danach kann sehr positiv sein, weil man Prioritäten anderes setzt, das Leben mit anderen Augen sieht und Kleinigkeiten viel mehr schätzt.
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"Eine von Acht" von Sabine Derflinger
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Darmkrebs

Wenn man erstmals die schreckliche Diagnose verdaut hat und man weiß, wie das weitere Behandlungsszenario aussieht, stellt sich als erstes die Frage: Was kann ich tun? Mein erster Weg war die Essensgewohnheiten zu verändern! Zucker war tabu und vieles war plötzlich attraktiv, so wie sekundäre Pflanzenstoffe, denen krebshemmende Wirkungen nachgesagt werden, sowie Himbeeren und grüner Tee. Auch von Rohkostsäften war ich auf einmal ganz begeistert, sogar meine Freunde durften daran teilhaben!

Mein zweiter sehr persönlicher Zugang war die mentale Kraft und Stärke. Die Vorstellung von Heilung und positiver Wirkung der für mich errechneten Chemo und Bestrahlung war felsenfest und täglicher Bestandteil meiner Vorstellungskraft. Dadurch hab ich die Chemotherapie plus Bestrahlung außerordentlich gut vertragen. Kein Haarausfall, kein Unwohlsein, viele Sorgen umsonst! Man weiß ja nicht was auf einen zukommen mag, aber heutzutage sind die Präparate schon sehr gut verträglich.

Dafür war ich jeden Tag viel in der Natur, langsames Spazierengehen war angesagt. Nach dem ersten Teil kamen sechs Wochen Regeneration, danach die komplizierte OP. Der künstliche Dünndarm-Ausgang wurde für acht Wochen geplant, daraus wurden fünf Monate. Die OP ist gut verlaufen und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ist auch das Handling mit dem so gefürchteten Ausgang Routine.

Relativ schnell entwickelt man ein Gefühl dafür, welche Dinge gut vertragen werden. Dadurch wurde es auch in der Nacht um vieles leichter. Anfangs ging ich alle zwei Stunden zum Ausleeren, nach Wochen konnte ich es auf ein bis zwei Mal pro Nacht reduzieren. Nach zwei Monaten ging ich sogar langlaufen, nach vier Monaten zum Mountainbiken. Der Ausgang war nicht störend.

Vor der Rück-Operation habe ich im Internet recherchiert und viele haarsträubende Berichte gelesen. Schrecklich, kaum jemand schrieb etwas Positives. Das nahm ich jetzt zum Anlass: Es ist genau ein Jahr her und ich fühle mich pumperlgesund! Nach der Rück-Operation war der Darm vielleicht zwei bis vier Wochen sehr aktiv, aber die Freude darüber, dass wieder alles normal funktioniert, war einfach riesengroß. Auch hier galt einfach wieder herauszufinden, was verträgt mein Körper am besten, was tut ihm gut, was hilft die Häufigkeit zu reduzieren. Ich nahm Flohsamen und darmregulierende Bakterien, das hat mir geholfen. Ich gehe teilweise heute noch häufiger als sonst, aber ich kann das wunderbar regulieren, das stört im Alltag nicht.

Mein größter Dank gilt meinem Mann, der mich immer positiv unterstützt hat, meiner Mama und meinem Bruder und vor allem meinen zahlreichen Freunden, die mich immer zum Lachen bringen. Heute in ich gesund und fühle mich herrlich lebendig.
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Ich ging zu meinem Internisten, um ein Blutbild zu befunden. Das Blutbild war in Ordnung und sonst hatte ich auch keinerlei gesundheitliche Probleme. Mein Internist hat mir auf Grund meines damaligen Alters (52) geraten, eine Darmspiegelung zu machen, da alle Männer und Frauen in dieser Altersklasse diese Vorsorgeuntersuchung machen sollten.

Das Ergebnis war, dass ich im Dickdarm einen Polypen hatte und dieser war bereits bösartig. Ich wurde sofort in der Rudolfstiftung Wien operiert und danach vom meinem Internisten betreut. Ich hatte das Glück, dass der Krebs im Anfangsstadium war und benötigte keine Chemotherapie und war auch in keiner Reha.

Psychische Hilfe bekam ich danach von meiner Frau und meinem Internisten. Wenn ich ein bis zwei Jahre früher diese Untersuchung gemacht hätte, wäre mir die Operation erspart geblieben und die Krankenkasse hätte sich eine Menge Geld erspart.

Ich versuchte danach sehr bewusst und gesund zu leben und mache bis heute alle notwendigen Nachuntersuchungen. Anschließend sprach ich mit allen die es hören wollten (oder auch nicht wollten) über meine Erkrankung, um den Leuten ein solches Schicksal zu ersparen.

Denn im Kopf bleibt der Krebs, ob überwunden oder nicht, immer präsent. Ich schrieb auch an mehrere Institutionen (Gesundheitsministerium, WGGK, Hauptverband, Leserbriefe, Bundeskanzleramt) mit sehr mäßigem Erfolg, man sollte doch den Bürgern einen Anreiz bieten, damit die Gruppe zwischen 45 und 50 Jahren zur Darmspiegelung gebracht wird. Ein
vorhandener Polyp wird bei Gutartigkeit bei der Koloskopie schmerzlos entfernt und so ist eine Krebserkrankung vom Tisch.

Wenn alle Leute dieser Altersgruppe zur Vorsorge gehen würden, könnte man den Dickdarmkrebs zu 90 Prozent ausrotten und es würde nicht alle Jahre bis zu 5000 Neuerkrankungen in Österreich geben.

Ich bin heute 67 Jahre alt und habe zwar den Krebs, nicht aber die Angst davor besiegt.
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Als ich die Diagnose „Krebs“ bzw. bösartiger Tumor im Dickdarm bekam, brach für mich die Welt zusammen. Dank meiner Familie war es dennoch irgendwie auszuhalten.

Nach erfolgter OP und Chemo war ich ein Wrack ohne Kraft und eigentlich ohne Lebenswillen, denn mit dem Seitenausgang (für vier Monate) kam ich überhaupt nicht zurecht. Nach der Rückoperation des Seitenausganges begann ein Zustand, den man gar nicht richtig beschreiben kann: Nichts, aber gar nichts funktionierte!

Ich konnte den Stuhl nicht halten, die Blase hatte von der Bestrahlung auch etwas abbekommen, sodass ich auch den Urin zeitweise nicht halten konnte. Die Nahrungsaufnahme war ein eigenes Problem, ich konnte bestimmte Speisen nicht mehr essen und dazu kam noch eine Frucht - Zuckerunverträglichkeit!

Verstopfung und Durchfall waren an der Tagesordnung. Ich konnte wegen der Inkontinenz fast zwei Jahre nirgendwohin gehen! Meine Frau und meine zwei Töchter, aber auch einige Ärzte und Krankenschwestern gaben mir die Kraft, alles zu unternehmen, um ein halbwegs normales Leben wiederherzustellen.

Nach nunmehr zehn Jahren habe ich mich mit den Alltagsproblemen bzw. mit den Folgen der Krebserkrankung arrangiert und habe mein Leben (mit vielen Einschränkungen) wieder im Griff und freue mich über die schöne Zeit, die ich unter anderem mit meinen zwei Enkelkindern verbringen darf!
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