Steirische Jugendstudie

So tickt die Generation Krise

Jugendstudie. Die Antworten von mehr als 2000 steirischen Schülern und Lehrlingen zeigen, was die Jugend heute bewegt. Wir haben mit einigen Mädchen und Burschen auch direkt gesprochen und zeichnen eine vielstimmige Bestandsaufnahme, die bis 6. Jänner täglich erweitert wird.

Sie gelten als „Gen Z“, geboren von Mitte der 1990er bis 2010. Viele erlebten schon früh Bankencrash und Finanzkrise 2008, die Flüchtlingsbewegung 2015, die Corona-Pandemie bis 2022 und danach den bis heute andauernden Krieg in der Ukraine. Die Gen Z könnte die erste Generation seit dem Weltkrieg sein, für die es nicht automatisch besser wird. Dennoch sehen sich die Jugendlichen nicht als „Generation Krise“, sondern als Digital Natives.

Die 7. Steirische Jugendstudie 2025 der Arge Jugend gegen Gewalt und Rassismus und „x-sample“ befragte 2088 Schüler bzw. Schülerinnen und Lehrlinge zwischen 13 und 19 Jahren. Partner sind Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer sowie Land Steiermark und Stadt Graz.

Rote, geballte Faust vor blauem Hintergrund.

Photo by engin akyurt on Unsplash

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Gewalt und Konflikt

Die überwiegende Mehrheit der Befragten war innerhalb eines Jahres nie Opfer von Gewalt durch Erwachsene oder von Rassismus.

Etwas mehr als die Hälfte hat auch keine Gewalt durch andere Jugendliche erlebt. In ihrer Klassengemeinschaft haben Schülerinnen und Schüler selten bis nie Angst.

Die Schülerin trägt einen weiß-beige gestreiften Pullover und posiert für das Foto.

Zwar kommt es selten zu physischer Gewalt, dumme Sprüche erlebt man allerdings öfter.“

Yuliia

19 Jahre, HLW Schrödinger, Fachschule

Junger Man zeigt in Richtung Kamera.

Photo by Marta Gurini on Unsplash

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28%

der Befragten haben im letzten Jahr zumindest oft Konflikte zwischen Menschen verschiedener Nationen erlebt.

Junger Mann mit Kapuzenpulli hebt das Bein und tritt mit dem Fuß Richtung Kamera.

Photo by nick jenkins on Unsplash

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26%

der Burschen stimmen der Aussage (weitgehend) zu, in bestimmten Situationen bereit zu sein, körperliche Gewalt anzuwenden, um ihre Interessen durchzusetzen. Bei den Mädchen sind es 12%.

Der Lehrling trägt eine blaue Weste mit der Aufschrift "Puntigamer" und posiert für das Foto.

Ich habe selber nicht viel Zeit für Social Media. Es ist aber krass, dass extrem­istische und sexuelle Inhalte so frei zugänglich sind.“

Michael

19 Jahre, LBS Mureck, Landmaschinentechnik

Die Schülerin trägt einen schwarzen Pullover und posiert für das Foto.

Wenn man gewalt­verherrlichende oder rassistische Videos meldet, wird die Meldung ignoriert oder sie werden Stunden später wieder woanders hochgeladen.

Magda­lena

17 Jahre, BRG Petersgasse

Bunte Spinde - rot, weiß, hellblau, orange und gelb sowie dunkelgrün.

Photo by moren hsu on Unsplash

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66%

der Befragten geben an, in ihrer Schule seien im letzten Jahr selten bis nie Stärkere auf Schwächere losgegangen.

Eine Frau mit den Händen am Kopf geht einen Weg entlang. Es herrscht Gegenlicht-Stimmung.

Photo by Emma Simpson on Unsplash

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Mental und physisch belastet

Ein Drittel der Jugendlichen fühlte sich in den letzten sechs Monaten zumindest mehrmals pro Woche gereizt oder schlecht gelaunt. Ein Viertel hatte Rücken-/Kreuzschmerzen zu beklagen.

Immer sind es dabei Mädchen, die häufiger als Burschen psychische oder körperliche Beschwerden beklagen.

Die Schülerin trägt ein weißes T-Shirt und posiert für das Foto.

Meine beste Freundin ist immer die erste Person, mit der ich spreche – man fühlt sich einfach verstanden.

Valentina

17 Jahre, HLW Schrödinger

Weibliches Gesicht mit geschlossenen Augen, buntes Licht, Dunkelheit.

Photo by Artem Artemov on Unsplash

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71%

der Burschen geben an, in den letzten sechs Monaten selten oder nie Angst- oder Panikgefühle gehabt zu haben. Bei den Mädchen sagen das nur 44%.


Die Schülerin trägt ein schwarzes T-Shirt und eine dunkle Weste und posiert für das Foto.

Es ist allerdings oft schwer, sich zu überwinden und über Gefühle zu sprechen.“

Theresa

15 Jahre, BRG Petersgasse

Die Schülerin trägt eine schwarzes Weste und posiert für das Foto.

Man hat einfach das Gefühl, dass die Zeit für sich selbst und Dinge, die einem wirklich Spaß machen, nicht ausreicht.“

Susanna

18 Jahre, Caritas-HLPS Sozialberufe

Der Schüler trägt ein dunkelblaues Polo und posiert für das Foto.

Mit Schlaflosigkeit und Ängsten habe ich zum Glück eigentlich nicht zu kämpfen, ich bekomme aber mit, dass andere damit hadern.“

Alexander

19 Jahre, LBS Mureck, Landmaschinentechnik

Hand mit bunt lackierten Fingernägeln tippt auf einem Smartphone.

Photo by Rob Hampson on Unsplash

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Digital und sozial(?)

Die Nutzung digitaler und sozialer Medien ist für Jugendliche Alltag. Laut Selbsteinschätzung denkt der Großteil der Jugendlichen vor dem Posten aber nach.

Während Burschen verstärkt Inhalte mit extremer Gewalt oder Sexualität konsumieren, stoßen Mädchen häufig auf fragwürdige Schönheitsideale.

4,7

Stunden sind die Jugendlichen im Schnitt pro Tag in ihrer Freizeit auf Social Media aktiv.


Der weibliche Lehrling trägt einen weißen Pullover und posiert für das Foto.

„Es fällt mir schon schwer, wenn ich fünf Stunden lang kein Handy bei mir habe.“

Sandra

17 Jahre, LBS Mureck, Mechatronik

Die Schülerin ist schwarz-weiß gekleidet und posiert für das Foto.

„Ich bin froh, dass ich so spät ein Handy bekommen habe und ich finde auch das Verbot, das an unserer Schule gerade ausprobiert wird, gut.“

Chikanma

17 Jahre, HLW Schrödinger

Eine Frau streckt ihre Handfläche in Richtung Kamera, ihr Gesicht ist bedeckt.

Photo by Mattia on Unsplash

Photo by Mattia on Unsplash

59%

der befragten Mädchen haben bereits ungewollt Nacktfotos erhalten. Bei den Burschen sind es 30%.


Der Schüler trägt ein rotes T-Shirt und eine blaue Jacke und posiert für das Foto.

Ich bin nicht so gut darin, Fake News zu erkennen, glaube ich.

Max

15 Jahre, BRG Petersgasse

Mehrere Menschen halten in der Mitte ihre Hände übereinander.

Photo by Hannah Busing on Unsplash

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Einsatz für andere

Jugendliche übernehmen aktiv Verantwortung und engagieren sich für andere, etwa in Vereinen.

Der Großteil der befragten Jugendlichen gibt an, bei Mobbing oder Gewalt andere im Umfeld zu unterstützen. Fast ein Drittel der Schüler und Schülerinnen sagt aber nichts, wenn jemand gemobbt wird.

Die Schülerin ist weiß gekleidet und posiert für das Foto.

„In meiner Klasse haben sich einige über ein Mädchen lustig gemacht, das nicht so gut Deutsch konnte. Da habe ich gesagt, jetzt lasst sie doch in Ruhe.“

Erjona

17 Jahre, HLW Schrödinger, Fachschule

Person mit schwarzer Kappe, die den gelben Schriftzug "Love your Neighbour" trägt.

Photo by Nina Strehl on Unsplash

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92%

der Jugendlichen helfen gerne, wenn Nachbarn etwas brauchen.


23%

der Befragten geben an, mitzulachen, wenn sich jemand über andere lustig macht.


Blick in die Säulenhalle des österreichischen Parlaments.

Photo by Danny Taing on Unsplash

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Die Politik und ich

Nur gut jeder zweite Jugendliche interessiert sich für Politik. Aber: Mehr als die Hälfte der Befragten vertraut immerhin auch der Lösungskompetenz der europäischen Demokratien.

Alleinherrschern wird die Lösung der wichtigsten Zukunftsprobleme hingegen überwiegend nicht zugetraut.

Der Schüler trägt ein gelbes T-Shirt und posiert für das Foto.

Demokratie? „Sie ist mit Abstand das Beste, was wir haben.“

Severin

19 Jahre, HTL Kaindorf

Eine Flagge der Europäischen Union - gelbe Sterne auf blauem Hintergrund - weht im Wind.

Photo by Christian Lue on Unsplash

Photo by Christian Lue on Unsplash

64%

und damit fast zwei Drittel der Befragten fühlen sich nicht nur als Steirerinnen oder Österreicher, sondern auch als Europäer bzw. Europäerinnen.


in bunte, leuchtende Farben getauchter Gang

Photo by Efe Kurnaz on Unsplash

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Blick
auf die Zukunft

Jugendliche blicken überwiegend optimistisch auf ihr eigenes Leben und ihre beruflichen Möglichkeiten, aber pessimistisch auf die Gesellschaft.

Mehr als zwei Drittel meinen, dass sich innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Verbesserung des eigenen Lebens einstellen wird.

Der Lehrling trägt ein oranges T-Shirt und posiert für das Foto, auf seine Unterarme gestützt.

Die Zukunft ist aus meiner Sicht schwierig, aber machbar.

David Jesus

18 Jahre, LBS Mureck, Metallbau

74%

finden, dass die Lebensbedingungen in ihren jeweiligen Gemeinden bzw. Städten (sehr) gut sind.


Der Schüler trägt ein gelbes T-Shirt und posiert für das Foto, auf seine Unterarme gestützt.

Ich weiß noch nicht, was ich beruflich machen will. Vielleicht studiere ich Politikwissenschaften.“

Philipp

17 Jahre, BRG Petersgasse

Eine Person mit Schutzbrille schweißt ein Metall.

Photo by Aman Jakhar on Unsplash

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Was ist Leistung wert?

Drei von zehn Jugendlichen empfinden beim Begriff „Leistung“ weder positive noch negative Gefühle. Vor allem das Erreichen der eigenen Ziele und Wünsche motiviert dazu.

Leistung wird in Familien von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund häufiger als sehr wichtig eingeschätzt als bei jenen ohne Migrationshintergrund.

Die Schülerin trägt ein lila T-Shirt und posiert für das Foto, auf ihre Unterarme gestützt.

Wir haben nur ein Leben, das sollen wir nicht dem Beruf allein unterordnen.“

Monika

17 Jahre, HLW Schrödinger

Eine Person arbeitet am Laptop.

Photo by Kaitlyn Baker on Unsplash

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92%

meinen, dass es sehr oder eher wichtig sei, gute Leistungen zu erbringen, um im Berufsleben voranzukommen.


Über die Untersuchung: Die 7. Steirische Jugendstudie ist ein Projekt der Arge Jugend gegen Gewalt und Rassismus und wurde von x-sample Sozialforschung begleitet. Projektpartner sind das Land Steiermark, das Jugendressort der Stadt Graz, die Arbeiterkammer Steiermark und die Wirtschaftskammer Steiermark.

Methodik: Aus der Grundgesamtheit von insgesamt 2.961 steirischen Schulklassen mit 59.150 Schülern bzw. Schülerinnen und Lehrlingen ab der achten Schulstufe (Allgemeine Pflichtschulen, Allgemeinbildende Höhere Schulen, berufsbildende mittlere und höhere Schulen sowie Landesberufsschulen) wurde eine repräsentative Stichprobe gezogen.

Die Befragung wurde sodann von 3. April bis 4. Juli 2025 in 59 Schulen mit standardisierten Fragebögen durchgeführt. Die Ergebnisse umfassen die Antworten von 2.088 Jugendlichen (darunter 328 Pflichtschülerinnen bzw. -schüler und 585 Lehrlinge).

Die Basis bzw. Summe der Antworten (100 Prozent) ist jedoch nicht bei jeder Frage gleich und jeweils kleiner als 2.088, da nicht alle Jugendlichen alle Fragen beantwortet haben. Einige wenige Fragen waren nur von Lehrlingen zu beantworten, z. B. „Was motiviert dich, im Lehrbetrieb gute Leistungen zu erbringen?“

Zu beantworten waren insgesamt 64 Fragen aus den Themenfeldern Zukunftsperspektiven & Lebensbedingungen, Politisches Verständnis & Soziales Engagement, Gewalt & Rassismus, Digitale Medienkompetenz, Beschwerden & Belastungen sowie Arbeitswelt & Leistung. Die hier präsentierten Erkenntnisse und Grafiken stellen einen Auszug aus dem umfangreichen Material dar. Bei den Prozentwerten sind Rundungsdifferenzen möglich.

Zusammenstellung: Bernd Hecke, Simone Rendl, Jonas Binder

Grafiken und digitale Aufbereitung: Jonas Binder

Fotos Jugendliche: KLZ/Stefan Pajman

Videointerviews: KLZ/Nico Lang, Lukas Kohlmaier, Anna Zweidick

Sujetfotos: Unsplash/Efe Kurnaz, Unsplash/Franz Michael Schneeberger, Unsplash/Kaitlyn Baker, Unsplash/Danny Taing, Unsplash/Christian Lue, Unsplash/Hannah Busing, Unsplash/Nina Strehl, Unsplash/La Fabbrica Dei Sogni, Unsplash/Rob Hampson, Unsplash/Daria Nepriakhina, Unsplash/Mattia, Unsplash/Emma Simpson, Unsplash/Artem Artemov, Unsplash/Engin Akyurt, Unsplash/Marta Gurini, Unsplash/Nick Jenkins, Unsplash/Moren Hsu

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